Jahrmarkt der Eitelkeiten

Ich sah das, was viele meiner Mitmenschen täglich machen, sie vergleichen sich mit anderen und das beschäftigt sie so sehr, dass nicht mehr zu erkennen ist, wer sie selbst sind…

11. April um 18:27 ·

Neulich auf dem Schauplatz der Eitelkeiten… Mein Mann erhielt eine Einladung der wir folgten. Ich fand mich wieder, auf einer Veranstaltung, die einberufen wurde um den Hauptakteur zu ehren und zu beglückwünschen. Ich normal sterbliche wäre niemals zu dieser Veranstaltung eingeladen worden und so bin ich dankbar, dass ich dabei sein durfte. Die Feierlichkeit wurde von einer Kanzlei ins Leben gerufen, die Juristen beherbergt, die Menschen verteidigen, die sich größerer Straftaten schuldig gemacht haben. Die Eingangsrede, auch Laudatio genannt, wurde von einem ehemaligen saarländischen Minister gehalten. Sie war ganz passend zum Anlass, tragend, langatmig und wenig informativ.

Weil ich stets ungern fremde Menschen in meinem Rücken stehen habe, mein Kontrollbedürfnis lässt das nicht zu, platzierten mein Mann und ich uns in einer Ecke des großen Raumes, lauschten und harrten der Dinge, die da kommen mochten. Vor mir stand ein gespanntes Puplikum, zu dem in der Hauptzahl gut gekleidete Herren zählten. Sie trugen graue, dunkelblaue oder anthrazitfarbene Anzüge, Kravatten, gewienerte Schuhe, waren tadellos frisiert und rasiert und verströmten eine Aura aus Seriosität, Erfahrung und akademischem Wissen. Es waren äußerlich, größere und kleinere Männer, zumeist fortgeschrittenen Alters. Wie sie da so vor mir standen aufrecht, geradlinig, die Arme vor der Brust verschränkt oder lässig, leicht vorgebeugt, die Ellebogen auf den kleinen Stehtischchen aufgestützt, strahlten sie Wichtigkeit aus, Dringlichkeit, Erhabenheit und Erfolg, der ihnen ins Gesicht gebrannt war. In dieser vor Ehrgeiz, Eloquenz und Männlichkeit wabernden Athmosphäre, die die Luft zum Atmen beschwerte, begann ich mich klein, nichtig und nutzlos zu fühlen. Meine Daseinsberechtigung schwand. Ich sah mich gezwungen mich zu demütigen und zu hinterfragen was ich in meinem Leben erreicht hatte. Ich hatte keine Professur erlangt, keine Reichtümer erwirtschaftet, keinen gehobenen Posten ergattert, ja nicht einmal ein Kind geboren.

Heute, nachdem ich diesen Abend in meiner dankbaren Erinnerung Revue passieren lasse, frage ich mich was an deren Dasein erstrebenswert ist. Das Thema, das sie verband war Erfolg. Der Weg des Erfolgs ist in der Regel ein steiniger, der Disziplin erfordert und Fleiß. Ihn zu gehen heißt einen Plan zu haben um sein Ziel zu erreichen. Es bedeutet, über sich selbst hinauswachsen zu wollen, nicht durchschnittlich sein zu wollen, viel besser als gut zu sein. Synonyme für Erfolg sind: „gelungen, siegreich, begünstigt, effektiv, vielversprechend und ergebnisreich“. Ich kann mir vorstellen, dass in all diesem Streben vieles auf der Strecke bleibt. So was wie Leichtigkeit, Echtheit, Enntspannung und Achtsamkeit. Ich sah das, was viele meiner Mitmenschen täglich machen, sie vergleichen sich mit anderen und das beschäftigt sie so sehr, dass nicht mehr zu erkennen ist, wer sie selbst sind, weil sie alle eins werden. Ich sehe mich im Alltag umgeben von verbissenen Perfektionisten, die einem anderen nicht die Butter auf dem Brot gönnen, unzufriedene Nörgler, Nachplapperer, Besserwisser und Schuldzuweiser.

Ich darf mich glücklich schätzen meinen eigenen Perfektionismus hinter mir gelassen zu haben. Und ganz plötzlich reihen sich um mich Menschen, die kreativ sind, ihre eigene Meinung haben, ihr eigenes Glück schmieden, aus allem das Beste machen, ermutigen und wertschätzen und ich freue mich soweit gekommen zu sein.

In diesem Sinne, macht was euch gefällt. ❤️🍀☀️

Frollein Rottenmeier

Autor: Marie

Ich bin 1969 geboren und schreibe nun schon eine ganze Weile. Meine Gedanken in Worte zu fassen scheint mir eine Notwendigkeit, die zu unterlassen, mich schlicht unvergnüglich stimmt. Darüberhinaus betreue ich Klientinnen mit persönlichen Problemen in ihrem Bestreben sich weiterzuentwickeln. Also eigentlich ganz ähnlich wie ich selbst.

2 Kommentare zu „Jahrmarkt der Eitelkeiten“

  1. Liebe Marie!
    Meinen aufrichtigen Glückwunsch zu deinem eigenen Blog, einem weiteren Meilenstein auf deinem Weg. Wohin? Nach vorne, nach oben, zum eigenen Buch, zur Autorin, natürlich! Eine wirklich sehr gute Idee! Und ich wünsche Dir viel Resonanz und alle Beachtung. Und die Einstiegsplattform Facebook würde ich (als „aus dem Alter bin ich raus“) entsprechend hinter mir lassen.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich danke dir lieber Werner und gebe dir wieder einmal völlig recht. Facebook funzt irgendwie nicht so wie ich es mir vorstelle. Danke auch für deine guten Wünsche. Bis Bald!

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s