Liewe Saarlänner

Ihr Saarländer seid gesellig und stolz auf eure kulinarischen Größen, eure Köche. Un wie na sprochen is enfach kloar.

17. November 2017

Liebe Saarländer/innen, falls ich den Eindruck erweckt habe, ich würde Eure Sitten, Gebräuche und Traditionen nicht achten so täuscht der Eindruck. Ich selbst bin sehr traditionell, ich bin verheiratet, ich mag die Stimmung der Vorweihnachtszeit und auch Weihnachten gefällt mir sehr. Ein Tannenbaum kommt mir jedoch nicht ins Haus weil ich Tannen lieber im Wald sehe als sie, wenn sie ausgedient haben auf irgendwelchen Rasenflächen gestapelt, bereit zur Abholung liegen zu sehen aber das ist zugegeben Geschmacksache. Ich mag es schwenkendes Grillgut zu beobachten, das über offener Flamme sorgfältig und liebevoll zubereitet wird, darum gibt es das auch das ganze Jahr hindurch jedes Wochenende.

Überhaupt mag ich Eure kulinarischen Besonderheiten, die Kohlehydrat reich jeden Bergmann sättigen, wie „Dibbelabbes“, „Mehlknepp“ „Hoorische“ oder „Geheiratete“. Insgesamt Eure Lust am Genuss, die die Stimmung hebt weil dabei jede Menge Glückshormone ausgeschüttet werden. Ihr seid gesellig und stolz auf Eure kulinarischen „Größen“, Eure Köche. „Un wie na sprochen is enfach kloar“. Ich liebe auch die Grenznähe zu Frankreich und Luxemburg denn auch das prägt Eure Art weil sich Kulturen vermischt haben.

Ich fühle mich hier viel naturverbundener als in meiner Heimat weil ich ihr näher bin. Das Saarland ist ein kleines Bundesland, das wirklich viel zu bieten hat. Ihr seht, ich erkenne Eure Traditionen an und auch Werte sind mir wichtig. Werte wie, Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Verschwiegenheit, Verlässlichkeit oder Großzügigkeit. Ich bin gerne ironisch weil ich als rheinische Frohnatur mit dem Grundsatz aufwuchs: „Humor ist wenn man trotzdem lacht“! Das meint wenn ich etwas nicht ändern kann, das mich stört dann versuche ich das nicht so ernst zu nehmen und das ist nicht zu verwechseln mit Respektlosigkeit.

Ja, das war auch schon alles. Ich bedanke mich für Eure Toleranz, freue mich dass Ihr mich integriert habt und dass ich hier sein darf. In diesem Sinne ein ganz wundervolles und friedvolles Wochenende Euch allen.😍🤗 Frollein Rottenmeier

Autor: Marie

Ich bin 1969 geboren und schreibe nun schon eine ganze Weile. Meine Gedanken in Worte zu fassen scheint mir eine Notwendigkeit, die zu unterlassen, mich schlicht unvergnüglich stimmt. Darüberhinaus betreue ich Klientinnen mit persönlichen Problemen in ihrem Bestreben sich weiterzuentwickeln. Also eigentlich ganz ähnlich wie ich selbst.

2 Kommentare zu „Liewe Saarlänner“

  1. Eine wirklich schöne Liebeserklärung an die Saarländer.
    Da ich mich auch dazu zählen darf, kommt es mir jetzt wie eine Ehrung, wie ein Ritterschlag vor. Ich glaube, dass man diesen Menschenschlag auch im Ruhrgebiert wiederfindet. Der Grund ist diese ungeheuer starke Verwurzelung der Bevölkerung mit dem Bergbau und der Stahlindustrie. Das schweißt die Menschen seit mehr als 200 Jahren zusammen. Waren damals die Urgroßväter von mir und auch von meiner Frau noch von Beruf „Ackerer“, also Bauern, wurde dieser Beruf zunehmend dann als Nebenerwerb betrieben, meist mit ein paar Kühen, oder wenigstens mit einer Geiß, einer „Bermannskuh“. Wie in vielen Familien gab es auch in unserer Familientradition von Beginn des Bergbaus, Mitte des 18. Jahrhunderts an fast nur Bergleute und auch Hüttenarbeiter. Vater, Onkel, Großonkel und Großväter. Einer von ihnen hat fast alle Gruben mit den typischen Kettenaufzügen in den Waschkauen ausgerüstet. Und noch in der Endphase ab den 1970er Jahren fanden auch meine Geschwister, Cousins und Cousinen Arbeit bei Saarberg. Insofern bin ich ein echtes „Berschmannsgutzje“ und darauf bin ich irgendwie ein bisschen stolz. Und, nebenbei bemerkt, ich selbst durfte als Stahlbauingenieur in den 1980er Jahren noch an verschiedenen Neubauten und Erweiterungen dieser so typisch saarländischen Industrielandschaft mitwirken.
    Die Herausbildung des typisch saarländischen Wesenszugs hat insofern auch mit der Jahrhunderte alten Arbeitstradition unter Tage zu tun, dort, wo Kameradschaft unabdingbar war und zusammengeschweißt hat.
    Auch sehr typisch saarländisch ist die Art und Weise, wie mit Fremden umgegangen wird und wurde. Wenn so jemand früher eine Wirtschaft betrat und er die Frage, wo er herkomme, mit der Nennung seiner Heimatstadt beantwortete, hatte er ab diesem Zeitpunkt sofort seinen Spitznamen weg. Ich erinnere mich da zum Beispiel an „de Neinkerjer“. Typisch.
    Typisch saarländisch ist auch Heinz Becker. Genau wie in seiner Weihnachtsszene, die Jahr für Jahr zu sehen ist, ging es bei uns zu Hause auch zu. Zum „Schießen“, wie wir sagen. Aber so „struwwelisch“, wie einige Kollegen von Heinz Becker manchmal „schwätze“, sproche se nur im Elsaß und Lothringen, meiner Ansicht nach. Und auf Reisen auf unsere Sprachgewohnheiten angesprochen, muss ich immer wieder so manche Vorstellung davon korrigieren: Im Saarland spricht man saarländisch, kein Französisch. Nur die älteren Lothringer, die beherrschen noch dreierlei: Saarländisch, Französisch und eine ganz „kloare“ Mischung von beidem.
    Einen der schönsten Sätze hörte ich so um vorbeigehen im Schloss von Regensburg: „Guck emol, es Gloria hat’s Dach nei mache geloss“. Herrlich, schon ist man im Gespräch.
    Und das Kulinarische darf auch nicht unerwähnt bleiben. Heute sind alle diese erwähnten Gerichte hochpreisige Spezialitäten, wohlschmeckend wie früher „dehemm“. Man darf sich aber nichts vormachen, es waren ausnahmslos „Arme-Leute-Essen“. Und wenn die Kulinariker erst all das aufdecken (und auftischen), was früher so „getunkt“ wurde, bekommt das Saarland als erstes Bundesland verdientermaßen den 4-Sterne-Status.

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    1. Wow, was für eine schöne geschichtliche Reise. Du machst spürbar wie stolz du auf deine Heimat bist. Dieses Bild, das du hier verbal zeichnest hätte ich so nie beschreiben können weil ich diese Vergangenheit hier im Saarland nicht erlebt habe, sondern erst mit Mitte 20 hierher kam. Durch deinen Text kann ich mir die Entwicklung jedoch sehr gut vorstellen. Ich verstehe jetzt die Beweggründe meiner saarländischen Freunde besser und sehe euch jetzt viel klarer. Danke fürs Augenöffnen.

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