Es liegt was in der Luft

Sein System der Sanktionierung führt bei mir stets dazu, dass ich irgendwann in meinen unnötigen Gedankengängen, wer nun die größere Schuld am Schlamassel trägt, mich in Frage stelle…

Einige sehr warme Osterfeiertage liegen hinter mir und der Frühling hat gerade erst begonnen. Während ich mit meinem Mann auf einem Baugerüst stand, um unsere Hausfassade fertig zu schindeln, gelang es mir ungewollt, rückblickend fast ohne mein Zutun, uns die Feiertage zu vermiesen. Wir reichten einander ein paar wenige Worte an, die dazu führten, dass ich mich hin und her gerissen fühlte, auf meiner Vorstellung von „Recht haben“ zu beharren oder mich durchs Nachgeben klein zu fühlen. Schließlich bin ich ja auch wer. Ich muss an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass Nachgeben je älter ich werde, eine immer weniger gute Option ist. Mir ist noch völlig unklar, ob diese Bockigkeit meinerseits nun Eigensinn oder Altersstarrsinn ist, wobei mir ersterer besser gefallen würde. Nun gehört mein Mann zu den Menschen, die recht nachtragend sind. Mir ist diese fiese Angewohnheit ziemlich fremd. Ich weiß zwar noch in zehn Jahren, wer mir was vor den Latz geknallt hat aber ich bin deswegen nicht zehn Jahre sauer. Sein System der Sanktionierung führt bei mir stets dazu, dass ich irgendwann in meinen unnötigen Gedankengängen, wer nun die größere Schuld am Schlamassel trägt, mich in Frage stelle. Ich relativiere dann sein Verhalten so, dass er bleiben darf wie er ist, während ich mich vor mir selbst rechtfertige. Ich sehe, dass es vielen meiner Leidensgenossinnen ganz ähnlich geht und das macht es ein ganz klitzekleines Bisschen leichter für mich.

Heute im Netz umschauend beginne ich eine Ahnung zu entwickeln, dass es nicht nur bei mir gerade knackt und knistert. Meine Timeline ist gespickt mit Missverständnissen. Ich sehe eine liebe Bekannte, Anika, die ich immer als intelligent, intuitiv, belesen und friedfertig erlebt habe. Sie kommentiert ein Postig kurz und knapp, in für sie ungewohnter Heftigkeit und schon bald finden sich einige, die sich auf die andere Seite schlagen um sich zusammenzurotten und in Diskussionen zu verfallen. Ich bitte euch nehmt es Anika nicht übel, sie ist sonst umgänglich und ganz knorke, vielleicht hatte sie ein unerfreuliches Osterfest.

Eine andere liebe Bekannte, Lisa, liebt Tiere über alles. Sie sieht in ihnen die guten Seelen, die sie sind. Und so setzt sie sich gerne im Netz für diese wundervollen Wesen ein und macht zurecht darauf aufmerksam, dass man nicht alles essen muss. Unglücklicherweise postet sie zur Veranschaulichung ein Video. Heute macht man ihr den Vorwurf, dass das von ihr gewählte Bildmaterial möglicherweise gefaked ist und die eigentliche Botschaft, die in guter Absicht erfolgte geht verloren. Im weiteren Verlauf verstrickt sie sich mit dem anklagenden Diskutanten in eine verbale Eskalation, in der sie übelst beschimpft wird. Ich bitte euch, Lisa ist eine herzensgute Frau, so mit ihr umzugehen hat sie nicht verdient.

Es liegt was in der Luft, etwas das uns reizt und stresst, das uns pickig sein lässt und übellaunig. Vielleicht ist es zu warm für einen Frühling, der gerade erst begonnen hat farblich zu explodieren. Vielleicht haben wir eine ungünstige Strenenkonstellation mit einem bockigen Saturn. Vielleicht hat uns Notre Dame zugesetzt und die Diskussionen darüber, ob es wirklich richtig ist, Unmengen Geld unklarer Herkunft in den Neubau eines Westturms zu stecken oder doch besser die ganze Welt zu retten. Vielleicht macht uns zu schaffen, dass in einem eh gebeutelten Sri Lanka mittlerweile 320 Menschen durch Terroranschläge auf Gotteshäuser ihr Leben lassen mussten. Vielleicht beschwert es uns, dass im Netz auch immer wieder unberechenbarerweise Menschen sterben, deren Tod niemand hatte kommen sehen und wir betrauern Verluste. Wie dem auch sei, wir haben alle immer auch einmal persönliche Gründe komisch zu sein. Ich wünsche mir, dass uns das nicht weniger liebenswert macht.

In diesem Sinne, eine friedliche Zeit euch allen.

Frollein Rottenmeier


Autor: Marie

Ich bin 1969 geboren und schreibe nun schon eine ganze Weile. Meine Gedanken in Worte zu fassen scheint mir eine Notwendigkeit, die zu unterlassen, mich schlicht unvergnüglich stimmt. Darüberhinaus betreue ich Klientinnen mit persönlichen Problemen in ihrem Bestreben sich weiterzuentwickeln. Also eigentlich ganz ähnlich wie ich selbst.

3 Kommentare zu „Es liegt was in der Luft“

    1. Lieber Werner, bisher gibt es einzig zwei Kommentare von dir. Es hat sonst noch niemand kommentiert weil die Seite noch recht schlecht bei google gefunden wird. Deinen zweiten beantworte ich gerade. Deinen ersten findest du unter Jahrmarkt der Eitelkeiten. Ist es das was du meinst?

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      1. Liebe Marie, das erklärt alles. Aber mir ist aufgefallen, dass die Seite follein…com heißt. Vielleicht liegt es daran. Oder du hast zu wenige Tags im Header deiner Seite. Deinen Beitrag finde ich sehr gut – mitten aus dem Leben :-), aber ich kommentiere ihn erst, sobald ich wieder zu Hause bin. Bis bald.

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