Der Sommer atmet aus

Ich surfe bei Zeiten durchs Netz und schaue, was meine Freunde, Bekannten und auch die vielen Menschen, die ich gar nicht kenne und die dennoch mein Interesse geweckt haben so machen. So sehe ich euch fast täglich, nicht müde werdend gegen allerlei Hetzpostings aufbegehrend, mutig dagegen haltend, sich aufreibend in der Argumentation gegen die, die sich augenscheinlich nach einem anderen politischen System als unserem demokratischen sehnen. Ich finde es immer noch richtig in den Diskurs zu gehen mit denen, die die Verantwortung für ihr eigenes Leben abgeben um die Schuld bei anderen zu finden und ihre Wut hinaus zu grölen. Ich finde es immer noch richtig sich den Leugnern der Klimakatastrophe entgegenzustellen und Rückrat zu zeigen. Ich selbst bin müde geworden und fühle mich zunehmend unwohl in diesem Kampf bei dem es keine Gewinner gibt. Für mich ist es kaum vorstellbar, dass alle diese Menschen, die deutlich erkennbare Unwahrheiten teilen selbst glauben, dass sie der Wahrheitsfindung dienen aber in der Diskussion beharren sie einfach stur weiter darauf, werden am Ende frech und erreichen ein beschämendes Niveau, dass ich eher in einem Kindergarten erwarten würde. Ich bin müde geworden Menschen dabei zuzuschauen, wie sie die Schuld bei anderen suchen, bei unseren Politikern, bei Greta, bei Asylsuchenden, die den Disput ihres eigenen Lebens, ihre stete Unzufriedenheit und eigene Belanglosigkeit jeden Tag, im Wettstreit mit anderen nach außen tragen.

Der Sommer atmet aus und ich beginne mich zu fragen, was wirklich wichtig ist und finde ein paar Antworten, die zuvor nicht so präsent waren. Mir ist enorm wichtig, dass ich den Menschen, die mir nahe stehen vertrauen kann. Mir ist wichtig, mich durch meine Sprache sauber auszudrücken und drohende Missverständnisse zu klären. Ich habe immer noch ein großes Bedürfnis nach Harmonie, ich schätze Gleichklang und Sicherheit. Gesundheit ist mir wichtig weil ich merke wie mit ihrem Schwinden meine Lebensqualität abnimmt. Gute Beziehungen zu den wenigen Menschen von denen ich mich umgeben sehe sind mir sehr wichtig. Dann noch ein wenig Musik, etwas Gesang, ein bisschen Malerei und Handwerk und fruchtbare Gedanken. All das ist so wichtig für mich wie ein gutes Essen, ein schmackhafter Wein, küssen, Liebe, Umarmungen, Zuhören und gehört werden.

Frollein Rottenmeier

Die üble Nachrede

Ich kenne niemanden, der davon verschont bleibt. Eines Tages erfährst du etwas über dich, das du bis dahin selbst nicht über dich wusstest. Plötzlich schwirren Gerüchte über dich durch die Welt, die in dir das Bedürfnis entstehen lassen deine Umwelt über dich aufzuklären, dass es nicht wahr ist, nicht stimmt, du so nicht bist wie behauptet wird. Als das soziale Wesen, das du eben bist, wünscht du dir gesellschaftliche Akzeptanz, Wertschätzung und Anerkennung. Du erlebst es als verletzend wenn man Dinge über dich erzählt, die nicht deiner Wirklichkeit entsprechen. Du kennst diese Form der Geringschätzung aus deiner Jugend, wo es mit dem Beobachten deines Kleidungsstils begann. Du entwickeltest dich mit einem bestimmten Bewusstsein darüber was cool ist, was ankommt und was gar nicht geht. Du bekamst das Ergebnis deines Geschmacks oder dem Einkommen deiner Eltern direkt zu spüren und hattest, dementsprechend mehr oder weniger Freunde. Vielleicht neigst du heute dazu dich anzupassen um nicht wieder zu missfallen. Die Gerüchte über dich, die dir als Erwachsener begegnen sind so vielfältig wie verletzend. Nach der letzten Party verachtete man dein Kleid als eines von der Stange, läuft wohl nicht mehr so bei dir und deine Haare hätten auch mal eine neue Färbung gebraucht. Deine Nachbarn halten dich für unfähig deine Kinder zu erziehen weil sie sonntags ungehalten durch den Garten toben. Deine Entscheidung als Single durch die Welt zu ziehen zeigt einfach, dass du beziehungsunfähig bist. Als deine Partnerin dich verlassen hat wussten alle, dass du ein egoistischer Drecksack bist und als sie dir das Haus leer geräumt hat, hast du es nicht anders verdient. Du bist einfach nur dumm wenn du nicht bemerkst, dass dein Partner dich betrügt. Du findest keine Arbeit weil du faul bist, du willst ja gar nicht. Du bist eine Schlampe, eine Nutte, einfach nur dumm, arrogant, ein Gauner und Betrüger und alle haben das gewusst, nur du nicht. So läuft dieses Spiel, das Menschen spielen, die nie erwachsen geworden sind, deren Horizont im Alter eines 14 jährigen hängen geblieben ist. Diese Menschen geben vor alles über dich zu wissen aber nicht nur über dich sondern auch über Peter, Inge, Giesela, die Frau Hinz und den Hernn Kunz. Sie brauchen diese Lästereien weil es sie davon ablenkt ihre eigenen Schwächen, Unzulänglichkeiten und Unfähigkeiten wahrzunehmen. Sie müssen dein Leben in ein Drama verwandeln weil ihr eigenes so bedeutungslos und nichtig ist. Sie beneiden dich weil sie sich mit dir messen und du bei ihrem Vergleich einfach besser abschneidest. Sie missgönnen dir alles was sie nicht haben. Sie fühlen sich so minderwertig wie sie sind und möchten sich größer und wichtig machen. Und manchmal zerstören sie Existenzen, wie selbständige Unternehmer aber auch Familien erfahren mussten. Du kannst darüber traurig sein, dich verletzt zurück ziehen, dich rechtfertigen, dagegen angehen, das wird nichts ändern. Du wirst diese Menschen nicht ändern. Lerne sie wahrzunehmen wie sie sind, als im Herzen hart, im Geiste arm, unglücklich, unfähig zu tiefer Liebe oder befriedigenden Beziehungen, nicht in der Lage Zufriedenheit zu erlangen und weit weit entfernt vom Glück. Lerne zu dir zu stehen, dir selbst zu vertrauen, nimm deine Stärken wahr und erkenne deine Schwächen an und nimm es nicht persönlich, es hat nichts mit dir zu tun oder damit wie du wirklich bist, das weiß auch niemand außer dir. Du wirst einzig und allein für ein übles Spiel benutzt. Für mich ist es hilfreich selbst einmal ganz unten gewesen zu sein und darauf zurückzublicken was ich trotzdem alles aus eigener Kraft geschafft habe. Für mich ist es heute unerheblich wenn andere falsches über mich denken denn nur ich kenne meine Beweggründe. Ein guter und sicherer familiärer Hintergrund ist ebenso hilfreich wie der ehrliche Austausch in Beziehungen und Freundschaften um das Spiel nicht weiter mitzuspielen.

Frollein Rottenmeier

Der Hund

Du bist, das am wenigsten verstandene Wesen, unterschätzt und oftmals verachtet. Der räudige Köter, der lästige Kleffer, der bedrohliche Beißer.

Wer sich tief auf dich einläßt und dein Verhalten zu lesen vermag, dem schenkst du ein lebenswertes Leben, das erfüllt ist von deiner Treue, Loyalität und Ehrlichkeit. Niemanden betrachten wir so zwiespältig wie dich, entweder wir lieben dich oder wir hassen dich. Dein Ursprung ist im Wolf beheimatet, den der Eine sentimental verklärt als einsamen Jäger, als zähen Kämpfer verehrt. Der Andere sieht in ihm das anpassungsfähige überaus soziale Tier, das stets dem Wohle der Allgemeinheit dient. So vielfältig wie wir Menschen sind, so vielzählig sind mittlerweile die Arten, die wir aus dir gezüchtet haben. Bei einigen Arten war uns das Aussehen wichtiger als deine Gesundheit und so wurde deine Hüfte nach unten gezüchtet damit du von der Seite besonders gut zur Geltung kommst. Bei anderen Arten züchteten wir den Unterkiefer nach vorne, damit du dich problemlos in ein Bullenmaul verbeißen kannst. Wir kreutzten alles mögliche und kreierten aus deinem Ursprung Rassen, die während der Apartheit dunkelhäutige Menschen durch Südafrikas Straßen jagten. Wir entwickelten Hunde, die sich besonders gut zum Kampf eignen weil ihre Toleranzgrenze sehr niedrig ist und sich gegenseitig schwer verletzen. Wir machen aus dir Monster, geben dir die Schuld und verbreiten Schreckensnachrichten über dich, die vielen Leuten Angst machen. Sie verurteilen dich schon bevor sie dir begegnen. Wir benutzen deine Freundin als Geburtsmaschine, sie lebt eingepfercht auf engstem Raum. Ihre Vorder- und Hinterläufe sind verkümmert weil ihre einzige Aufgabe ist Nachwuchs zu generieren um ihren Halter zu bereichern. Euer Nachwuchs wird dann zunehmend im Internet angeboten und von Menschen gekauft, die nicht verstehen wollen, dass du keine Ware bist. Wenn wir sehr grob zu dir waren weil wir uns einfach nicht die Mühe machten dein Wesen zu erkennen, kann es sein, dass wir dich töten lassen. Wenn wir keine Zeit mehr für dich haben weil wir die Entwicklung unserer Lebensumstände falsch eingeschätzt haben, binden wir dich an Autobahnraststätten fest oder werfen dich in Mülltonnen und gehen weg als hätte es dich nie gegeben. Manche Menschen hegen soviel Groll gegen dich, dass sie Köder auslegen, die mit Nägeln, Rasierklingen oder Gift präpariert sind, an denen du elendig zugrunde gehst wenn du sie frisst. Manchmal landest du auch unter einem Tannenbaum und sollst das Leben deines zukünftigen Besitzers bereichern. Es gibt Menschen, die binden dir Schleifchen in die Haare, ziehen dir Mäntelchen an, verhätscheln dich und tragen dich durch die Gegend, wie ein Objekt.

Für mich bist du einfach Alles, der treueste Begleiter, den ich mir je hätte wünschen können. Du schmiegst dich zärtlich an mich und bittest mich freundlich dich wahrzunehmen. Du liebst meine zärtlichen Berührungen wenn ich dich streichel oder dein schönes Fell pflege. Es ist dir egal wie ich aussehe oder rieche, es reicht dir völlig, dass ich bin. Du erwartest nichts von mir sondern wartest einfach ab, was als nächstes passiert. Wenn du mit offenem Maul durch die Gegend tollst, spüre ich deine pure Lebensfreude und bin genauso glücklich wie du. Wenn du dich übertreibst und ich dich schützen muss, wirfst du dich auf den Boden und zeigst mir unterwürfig deine Flanke. Wir beide wissen, dass du dich furchtbar aufregen und reinsteigern kannst aber ein kurzes Sssst… von mir bringt dich sofort wieder runter. Du schüttelst dich kurz und wirfst die angestaute Energie einfach von dir ab. Wenn wir uns uneinig sind ob du das Eichhörnchen jagst oder nicht, bist du mir nicht böse wenn ich es unterbinde. Nie trägst du mir nach was ich versäume. Manchmal wird mir dein buhlen zuviel dann gehst du einfach wieder und versuchst es später nochmal. Obwohl du so stark bist kennst du auch Angst und bellst bis die Gefahr vorbei ist. Du beschützt mich und jeden, den du als Teil deines Rudels anerkennst. Wenn du krank bist zeigst du es mir nicht weil deine Herkunft und das Rudel aus dem du stammst, die schwächsten Mitglieder aufforderte zu gehen, aber ich spüre es. Du kannst zutiefst trauern wenn du einen Freund verlierst und tagelang lethargisch in einer Ecke verweilen, einmal sah ich Tränen in deinen Augen. In unbeobachteten Momenten klaust du Essen vom Tisch, nicht weil du hungrig bist sondern weil dein Notfallprogramm dir sagt, dass auch magere Zeiten kommen. Dein ganz eigener Geruch lässt mich erkennen wie es dir geht. Wärend der geschlechtsreife riechst du scharf, wie früher die Jungs in der Umkleidekabine, bist du krank riechst du käsig und bei Regen muffig.

Du bist pure Energie, reine Emotion, immer aufrichtig, mutig, kraftvoll, geduldig, stolz und verlässlich. Ganz egal ob du groß bist oder klein, glatt oder struppig, dick oder dünn. Du bist mein Held, der beste Freund den ich je haben werde.

Frollein Rottenmeier