Das Ende der Naturheilkunde

Oder das Bashing der Heilpraktiker.

Ich kenne keine Berufsgruppe, die mit solcher Wucht, immer wieder angegriffen wird, wie Heilpraktiker. Der Gesetzgeber hat diesen Beruf, in den letzten Jahren stets aufs Neue reglementiert. Zuerst wurde Heilpraktikern, die Anwendung der Neuraltherapie, wie sie früher ausgeübt wurde, untersagt. Nun darf er mit seinen Kanülen nicht mehr in die tieferen Hautschichten vordringen, sondern wurde in seiner Tätigkeit auf die Subcuta, die äußere Hautschicht begrenzt. Im letzten Jahr untersagte man die Ausübung der Eigenbluttherapie, die bei autoimmunen Erkrankungen und Allergien Anwendung fand. Jetzt möchte man Heilpraktiker ganz abschaffen.

Der bedauerliche Vorfall in Brüggen- Bracht, nahe der holländischen Grenze, in 2016, führte zu einer neuen Diskussion, die das Berufsbild des Heilpraktikers diskreditiert. Bei dem Vorfall behandelte ein Heilpraktiker, einige an Krebs erkrankte Menschen, mit 3 Promopyruvat, einer Substanz, die erfolgreich an Tieren getestet wurde, deren Wirksamkeit jedoch noch nicht hinreichend gesichert war, weshalb das Medikament noch nicht zugelassen wurde. Drei seiner Patienten verstarben, während seiner Behandlung. Ich mag am Rande zu bedenken geben, dass die Patienten schulmedizinisch austherapiert waren. Sie hatten Operationen und die empfohlenen Chemotherapien hinter sich gebracht und blieben doch unheilbar krank. Seit 2016 stehen nun deutschlandweit 46.000 weitere, mehr oder weniger praktizierende Heilpraktiker unter Beschuss.

Das „Münsteraner Memorandum ist ein Gremium, bestehend aus 20 Experten wie, unter anderem, einer Ethikmedizinerin, einem Medizinrechtler, einem Gesundheitsforscher, einem Psychologen und einem Journalisten. Sie sorgen sich um die Patientensicherheit und fordern eine einheitliche Hochschulausbildung. Im Grunde kann ich eine solche Ausbildung nur begrüßen, allerdings sprechen sich die Mitglieder des Gremiums klar dafür aus, dass die Ausbildung des Heilpraktikers zukünftig, wissenschaftsorientiert sein werde und die Kompetenzen, nur auf Teilbereiche der Medizin begrenzt würden, oder der Beruf ganz abgeschafft werden sollte. Das heißt, der geforderte neue Ausbildungsstandart bringt alles andere als Heilpraktiker hervor und oder der Beruf des Heilpraktikers wird verboten. Sie machen deutlich, dass AlternativMEDIZIN überhaupt ihren Platz, in der wissenschaftsorientierten Versorgung haben sollte. Ich erinnere mich daran, dass mein früherer Hausarzt, Akupunktur und Homöopathie mit anbot. Und weil ich weiß, dass jede dieser Disziplinen für sich, ein sehr umfangreiches Wissen erfordert, muss ich mich fragen, wann, wo und in welchem Zeitraum, er sich dieses Wissen angeeignet haben kann.

Zwar würden Patienten ihre Heilpraktiker, aufgrund ausführlicher Gespräche, sowie ihrer Zuwendung oft lieben, während dies in der ärztlichen Behandlung auch aufgrund der Ökonomisierung immer mehr verloren gehe. Doch ein Gebäude, das antiwissenschaftlich agitiert und eine Parallelwelt in der Medizin darstellt, sei ein zu hoher Preis für derartige Wohlfühleffekte.

Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert Vorsitzende des Münsteraner Memorandums

Wow liebe Patienten, euer Arzt hat keine Zeit für euch, auch weil er wirtschaftlich denken und arbeiten muss. Euer Heilpraktiker mag zwar Zeit für euch haben, hat aber als „Antichrist“, sein Recht verwirkt, dass ihr euch bei ihm gut aufgehoben fühlen dürft.

Weiter heißt es im Memorandum: „Ein, der Patientenversorgung verpflichtetes Gesunheitssystem, müsse von unbelegten und überzogenen Heilsversprechen gänzlich frei gehalten werden. Es klingt nicht nur wie ein Vorwurf, es ist auch einer. Der Gesetzgeber verbot Heilpraktikern jedoch schon längst, Heilung zu versprechen und ich erinnere mich daran, wie wir Heilpraktiker uns daraufhin engagierten, unsere Homepages gesetzeskonform zu gestalten. Ebenso verboten ist es uns, öffentlich Gesundheitstipps zu geben, oder Mittelchen zu empfehlen, wie es einige Ernährungsberater gerne machen. Ein Ärgernis, das uns die Wettbewerbsfähigkeit nimmt.

Die Tatsache, dass wir zur Prüfungszulassung „Nur“ einen Hauptschulabschluss brauchen, wird von unseren Gegnern immer gerne dazu genutzt, um uns ein bisschen dumm dastehen zu lassen. Die weiteren Prüfungszulassungsvoraussetzungen sind, ein Mindestalter von 25 Jahren, ein polizeiliches Führungszeugnis, eine Unbedenklichbescheinigung vom Finanzamt und ein Gesundheitszeugnis, was zumindest zeigt, dass wir uns straffrei durchs Leben geschlagen haben und unsere Steuern bezahlten.

Die Ausbildung ist, ganz im Gegensatz dazu, wie stets gerne dargestellt wird, schwierig. Natürlich ist sie kein Arztstudium, denn wir sind ja keine Ärzte. Dennoch ist die Ausbildung keinesfalls mit dem Erwerb eines Führerscheins zu vergleichen. Ich kann das beurteilen, weil ich auch Auto fahren kann. Ich habe 2,5 Jahre nur gelernt und gejobbt. Mit meinen Jobs finanzierte ich meinen Lebensunterhalt, mit einem Teil des Erbes, das mir mein Opa hinterließ, bezahlte ich die Schulgebühren. Ich hätte die 12.000€ schlechter anlegen können, als in einen Beruf zu investieren, in dem ich eine riesige Verantwortung trage, den ich dennoch gerne mache und in dem ich mich unabhängig fühlen darf.

Frollein Rottenmeier

Autor: Marie

Ich bin 1969 geboren und schreibe nun schon eine ganze Weile. Meine Gedanken in Worte zu fassen scheint mir eine Notwendigkeit, die zu unterlassen, mich schlicht unvergnüglich stimmt. Darüberhinaus betreue ich Klientinnen mit persönlichen Problemen in ihrem Bestreben sich weiterzuentwickeln. Also eigentlich ganz ähnlich wie ich selbst.

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