Die üble Nachrede

Ich kenne niemanden, der davon verschont bleibt. Eines Tages erfährst du etwas über dich, das du bis dahin selbst nicht über dich wusstest. Plötzlich schwirren Gerüchte über dich durch die Welt, die in dir das Bedürfnis entstehen lassen deine Umwelt über dich aufzuklären, dass es nicht wahr ist, nicht stimmt, du so nicht bist wie behauptet wird. Als das soziale Wesen, das du eben bist, wünscht du dir gesellschaftliche Akzeptanz, Wertschätzung und Anerkennung. Du erlebst es als verletzend wenn man Dinge über dich erzählt, die nicht deiner Wirklichkeit entsprechen. Du kennst diese Form der Geringschätzung aus deiner Jugend, wo es mit dem Beobachten deines Kleidungsstils begann. Du entwickeltest dich mit einem bestimmten Bewusstsein darüber was cool ist, was ankommt und was gar nicht geht. Du bekamst das Ergebnis deines Geschmacks oder dem Einkommen deiner Eltern direkt zu spüren und hattest, dementsprechend mehr oder weniger Freunde. Vielleicht neigst du heute dazu dich anzupassen um nicht wieder zu missfallen. Die Gerüchte über dich, die dir als Erwachsener begegnen sind so vielfältig wie verletzend. Nach der letzten Party verachtete man dein Kleid als eines von der Stange, läuft wohl nicht mehr so bei dir und deine Haare hätten auch mal eine neue Färbung gebraucht. Deine Nachbarn halten dich für unfähig deine Kinder zu erziehen weil sie sonntags ungehalten durch den Garten toben. Deine Entscheidung als Single durch die Welt zu ziehen zeigt einfach, dass du beziehungsunfähig bist. Als deine Partnerin dich verlassen hat wussten alle, dass du ein egoistischer Drecksack bist und als sie dir das Haus leer geräumt hat, hast du es nicht anders verdient. Du bist einfach nur dumm wenn du nicht bemerkst, dass dein Partner dich betrügt. Du findest keine Arbeit weil du faul bist, du willst ja gar nicht. Du bist eine Schlampe, eine Nutte, einfach nur dumm, arrogant, ein Gauner und Betrüger und alle haben das gewusst, nur du nicht. So läuft dieses Spiel, das Menschen spielen, die nie erwachsen geworden sind, deren Horizont im Alter eines 14 jährigen hängen geblieben ist. Diese Menschen geben vor alles über dich zu wissen aber nicht nur über dich sondern auch über Peter, Inge, Giesela, die Frau Hinz und den Hernn Kunz. Sie brauchen diese Lästereien weil es sie davon ablenkt ihre eigenen Schwächen, Unzulänglichkeiten und Unfähigkeiten wahrzunehmen. Sie müssen dein Leben in ein Drama verwandeln weil ihr eigenes so bedeutungslos und nichtig ist. Sie beneiden dich weil sie sich mit dir messen und du bei ihrem Vergleich einfach besser abschneidest. Sie missgönnen dir alles was sie nicht haben. Sie fühlen sich so minderwertig wie sie sind und möchten sich größer und wichtig machen. Und manchmal zerstören sie Existenzen, wie selbständige Unternehmer aber auch Familien erfahren mussten. Du kannst darüber traurig sein, dich verletzt zurück ziehen, dich rechtfertigen, dagegen angehen, das wird nichts ändern. Du wirst diese Menschen nicht ändern. Lerne sie wahrzunehmen wie sie sind, als im Herzen hart, im Geiste arm, unglücklich, unfähig zu tiefer Liebe oder befriedigenden Beziehungen, nicht in der Lage Zufriedenheit zu erlangen und weit weit entfernt vom Glück. Lerne zu dir zu stehen, dir selbst zu vertrauen, nimm deine Stärken wahr und erkenne deine Schwächen an und nimm es nicht persönlich, es hat nichts mit dir zu tun oder damit wie du wirklich bist, das weiß auch niemand außer dir. Du wirst einzig und allein für ein übles Spiel benutzt. Für mich ist es hilfreich selbst einmal ganz unten gewesen zu sein und darauf zurückzublicken was ich trotzdem alles aus eigener Kraft geschafft habe. Für mich ist es heute unerheblich wenn andere falsches über mich denken denn nur ich kenne meine Beweggründe. Ein guter und sicherer familiärer Hintergrund ist ebenso hilfreich wie der ehrliche Austausch in Beziehungen und Freundschaften um das Spiel nicht weiter mitzuspielen.

Frollein Rottenmeier

Der Hund

Du bist, das am wenigsten verstandene Wesen, unterschätzt und oftmals verachtet. Der räudige Köter, der lästige Kleffer, der bedrohliche Beißer.

Wer sich tief auf dich einläßt und dein Verhalten zu lesen vermag, dem schenkst du ein lebenswertes Leben, das erfüllt ist von deiner Treue, Loyalität und Ehrlichkeit. Niemanden betrachten wir so zwiespältig wie dich, entweder wir lieben dich oder wir hassen dich. Dein Ursprung ist im Wolf beheimatet, den der Eine sentimental verklärt als einsamen Jäger, als zähen Kämpfer verehrt. Der Andere sieht in ihm das anpassungsfähige überaus soziale Tier, das stets dem Wohle der Allgemeinheit dient. So vielfältig wie wir Menschen sind, so vielzählig sind mittlerweile die Arten, die wir aus dir gezüchtet haben. Bei einigen Arten war uns das Aussehen wichtiger als deine Gesundheit und so wurde deine Hüfte nach unten gezüchtet damit du von der Seite besonders gut zur Geltung kommst. Bei anderen Arten züchteten wir den Unterkiefer nach vorne, damit du dich problemlos in ein Bullenmaul verbeißen kannst. Wir kreutzten alles mögliche und kreierten aus deinem Ursprung Rassen, die während der Apartheit dunkelhäutige Menschen durch Südafrikas Straßen jagten. Wir entwickelten Hunde, die sich besonders gut zum Kampf eignen weil ihre Toleranzgrenze sehr niedrig ist und sich gegenseitig schwer verletzen. Wir machen aus dir Monster, geben dir die Schuld und verbreiten Schreckensnachrichten über dich, die vielen Leuten Angst machen. Sie verurteilen dich schon bevor sie dir begegnen. Wir benutzen deine Freundin als Geburtsmaschine, sie lebt eingepfercht auf engstem Raum. Ihre Vorder- und Hinterläufe sind verkümmert weil ihre einzige Aufgabe ist Nachwuchs zu generieren um ihren Halter zu bereichern. Euer Nachwuchs wird dann zunehmend im Internet angeboten und von Menschen gekauft, die nicht verstehen wollen, dass du keine Ware bist. Wenn wir sehr grob zu dir waren weil wir uns einfach nicht die Mühe machten dein Wesen zu erkennen, kann es sein, dass wir dich töten lassen. Wenn wir keine Zeit mehr für dich haben weil wir die Entwicklung unserer Lebensumstände falsch eingeschätzt haben, binden wir dich an Autobahnraststätten fest oder werfen dich in Mülltonnen und gehen weg als hätte es dich nie gegeben. Manche Menschen hegen soviel Groll gegen dich, dass sie Köder auslegen, die mit Nägeln, Rasierklingen oder Gift präpariert sind, an denen du elendig zugrunde gehst wenn du sie frisst. Manchmal landest du auch unter einem Tannenbaum und sollst das Leben deines zukünftigen Besitzers bereichern. Es gibt Menschen, die binden dir Schleifchen in die Haare, ziehen dir Mäntelchen an, verhätscheln dich und tragen dich durch die Gegend, wie ein Objekt.

Für mich bist du einfach Alles, der treueste Begleiter, den ich mir je hätte wünschen können. Du schmiegst dich zärtlich an mich und bittest mich freundlich dich wahrzunehmen. Du liebst meine zärtlichen Berührungen wenn ich dich streichel oder dein schönes Fell pflege. Es ist dir egal wie ich aussehe oder rieche, es reicht dir völlig, dass ich bin. Du erwartest nichts von mir sondern wartest einfach ab, was als nächstes passiert. Wenn du mit offenem Maul durch die Gegend tollst, spüre ich deine pure Lebensfreude und bin genauso glücklich wie du. Wenn du dich übertreibst und ich dich schützen muss, wirfst du dich auf den Boden und zeigst mir unterwürfig deine Flanke. Wir beide wissen, dass du dich furchtbar aufregen und reinsteigern kannst aber ein kurzes Sssst… von mir bringt dich sofort wieder runter. Du schüttelst dich kurz und wirfst die angestaute Energie einfach von dir ab. Wenn wir uns uneinig sind ob du das Eichhörnchen jagst oder nicht, bist du mir nicht böse wenn ich es unterbinde. Nie trägst du mir nach was ich versäume. Manchmal wird mir dein buhlen zuviel dann gehst du einfach wieder und versuchst es später nochmal. Obwohl du so stark bist kennst du auch Angst und bellst bis die Gefahr vorbei ist. Du beschützt mich und jeden, den du als Teil deines Rudels anerkennst. Wenn du krank bist zeigst du es mir nicht weil deine Herkunft und das Rudel aus dem du stammst, die schwächsten Mitglieder aufforderte zu gehen, aber ich spüre es. Du kannst zutiefst trauern wenn du einen Freund verlierst und tagelang lethargisch in einer Ecke verweilen, einmal sah ich Tränen in deinen Augen. In unbeobachteten Momenten klaust du Essen vom Tisch, nicht weil du hungrig bist sondern weil dein Notfallprogramm dir sagt, dass auch magere Zeiten kommen. Dein ganz eigener Geruch lässt mich erkennen wie es dir geht. Wärend der geschlechtsreife riechst du scharf, wie früher die Jungs in der Umkleidekabine, bist du krank riechst du käsig und bei Regen muffig.

Du bist pure Energie, reine Emotion, immer aufrichtig, mutig, kraftvoll, geduldig, stolz und verlässlich. Ganz egal ob du groß bist oder klein, glatt oder struppig, dick oder dünn. Du bist mein Held, der beste Freund den ich je haben werde.

Frollein Rottenmeier

Ein Song zum Thema Klimawandel

Der gute Werner Vogel hat mich mit einem seiner Musikstücke und dem passenden Refrain problemlos dazu inspiriert, das „Gute Stück“ mit weiterem Leben zu füllen. Ich durfte sogar ein wenig mitsingen. Klickt auf den Link und hört mal rein, wie findet ihr es?

www.werner-vogel-music.com/klimawandel

Frollein Rottenmeier

Lasst uns diese Welt retten

Einige Monate nachdem die Schwedin Greta eine Jugendbewegung in Gang brachte, wird der Ton im Netz gegen sie immer rauer. Greta erreichte mit ihrem Aufruf zu Schulstreiks, dass sich etliche Wissenschaftler hinter sie stellten, um die Gunst der Stunde zu nutzen, uns zu erklären, wie schief unsere Lage tatsächlich ist. Wir haben heute die Möglichkeit, sofern wir dazu bereit sind, offenen Auges und Ohres zu erkennen, was wir seit Jahrzehnten falsch machen und was wir mit unserem Verhalten bisher erreicht haben. Wir dürfen nun erkennen, dass wir Weltmeister im Mülltrennen sind und guten Gewissens die Schuld bei anderen suchen. In Wirklichkeit sind wir mit unserer Coffe to go und Online Handel Nutzungs- mentalität auch Europameister im Ansammeln von Verpackungsmüll. Jeder von uns deutschen „Der grüne Punkt“ Sammler hat im Jahr 2015, 25 kg Plastikmüll entsorgt. Wir werfen unseren Verpackungsmüll in gelbe Säcke denn wer will das schon in seinem Garten haben. Man lässt uns wissen, dass dieser Müll recykelt wird aber die Anlagen zum recyleln von Plastik sind sehr teuer, daher schicken wir seit Jahren 65% dieser „Wertstoffe“ nach China und geben ihnen Geld für die Entsorgung. Seit 2018 möchten die Chinesen unseren Müll nicht mehr aufnehmen, weshalb wir seit 2018 in Malaysia entsorgen. Malaysia hat diesen Müll eine zeitlang in leerstehenden Fabrikhallen gelagert doch nun wird es dort eng. Sie lagern diesen Müll jetzt auf offenen Deponien und wir können in den Medien, malaysischen Kindern dabei zusehen, wie sie darin herum wühlen. Stellenweise verbrennen sie das Plastik auch offen, was die Bevölkerung zunehmen an Atemwegserkrankungen leiden lässt. Anderorts werden große Teile dieses Mülls ins Meer geschwemmt. Der Müll lässt die Bilder von Walen entstehen, die bis oben hin voll mit Plastik gestrandet sind und zu einem Aufschrei in deutschen Wohnzimmern führen. Seit August 2019 schickt Malaysia den Müll an die Erzeugerländer zurück, die weltweit vertreten sind.

Wir möchten aus der Kernkraft aussteigen, von der wir einst glaubten, sie sei die sauberste Art der Energiegewinnung denn die Entsorgung der Restbestände überfordert uns. Auf die neuen Lösungen zur Energiegewinnung können wir uns nicht so recht einigen und weil der Strom eben nicht einfach aus der Steckdose kommt, kaufen wir unseren Restbedarf in Frankreich, wo er in den dortigen Atomreaktoren hergestellt wird, wir denken bis zur Grenze. Das Festhalten an der Zeitumstellung wird den Rest schon richten.

Wir bestehen auf unserer täglichen Portion Fleisch und da wir die vielen Menschen in unserem Land, die wenig Geld haben auch damit beglücken wollen, akzeptieren wir Massentierhaltung. Die Massen an Tieren, die wir unmöglich alle essen können brauchen Futter und so holzen wir Wälder ab um Platz zu schaffen, um Mais, Reis und Soja anzubauen. Sehr viele Tiere produzieren Methan, das wir eigentlich zur Energiegewinnung nutzen könnten aber wir sehen dabei zu wie es sich verflüchtigt und zu CO2 wird.

Wir zeigen auf China weil sie den Weltmarkt mit Elektroartikeln überschwemmen und verlängern alle 2 Jahre unseren Mobilfunkvertrag weil wir dann ein krachneues Handy bekommen.

Wir nehmen hin, dass ein deutscher Chemiekonzern den größten Agrarriesen aufkauft, um auch weiterhin Bauern weltweit mit genmanipuliertem Saatgut zu versorgen. Wir sehen, dass das Pestizid und Herbizid Glyphosat für weltweites Insektensterben verantwortlich ist und freuen uns, dass es in vielen Ländern verboten wurde, deshalb wird Glyphosat jetzt unter anderem Namen weiterverkauft.

Wir wollen zu jeder Zeit alles essen daher kaufen wir auch Bananen aus Costa Rica, Melonen aus Südamerika, Bohnen aus Kenia und Jaffa Orangen aus Israel, ohne Rücksicht auf die Transportwege, hauptsache bunt und vielfältig. Wir unterstützen Aldi, Lidl, Rewe und Co billiges stark Pestizidbelastetes Obst und Gemüse aus Spanien anzubieten und riskieren unsere Gesundheit.

In der Arktis brennt ein riesiges Feuer, das sich durch die Torfböden frisst. Dabei entstand im Juni ein gemessener CO2 Ausstoß, wie ihn Schweden in einem Jahr erzeugt. Kanadische und sibirische Wälder brennen, unsere eigenen Wälder sind in extrem schlechtem Zustand und werden von Borkenkäfern heimgesucht. Die Welt brennt und versinkt in Tsunamis und schmelzendem Eis. Etliche Tiere verlieren ihren Lebensraum und sind vom Aussterben bedroht. Die Weltbevölkerung explodiert und will essen.

An dieser Stelle kommt wieder die Schülerin Greta ins Spiel. Sie hat sich erlaubt uns auf all das hinzuweisen und eigentlich müssten wir ihr dankbar sein, dass sie uns die Augen geöffnet hat, denn nun nachdem so viele Menschen diese Erkenntnisse gewinnen konnten, können wir handeln. Stattdessen schreiben wir 2019 die Geschichte der Leugner, der Anfeinder, der Bagatellisierer und Schönredner. Ein nicht unerheblicher Teil meiner Mitmenschen feindet Greta Thunberg an und scheint sich von ihr bedroht zu fühlen. Sie fühlen sich bedroht von dem Wind der Veränderung, der plötzlich weht, haben Angst ihren Status Quo aufgeben zu müssen, ihre Komfortzone zu verlassen, Abstriche in Kauf zu nehmen und die Macht der Gewohnheit ziehen zu lassen. Spott und Häme durchzieht das Netz, man beschimpft sie, zum Teil aufs Übelste. Plötzlich ist ein Pulk von selbsternannten Wissenschaftlern entstanden, die in ihrer grenzenlosen Dummheit versuchen, jede von ihr, noch so nachvollziehbare These zu entwerten und zu entkräften.

Und ich frage mich, wo bin ich hier eigentlich gelandet?

Frollein Rottenmeier

Woher kommt dieser ganze Hass?

Hass ist das scharfe, anhaltende Gefühl der Antipathie, es entsteht aus dem tiefen Gefühl erlittener Verletzungen.

Hass ist ein tief sitzendes Gefühl, das uns erlaubt destruktiv zu sein. Es lässt uns glauben, dass wir im recht sind. Es verhindert unsere soziale Fähigkeit uns selbst in Frage zu stellen und nimmt uns unser Mitgefühl. Hass lässt uns innerlich glühen und erweckt in uns ein Gefühl der Lebendigkeit, er gibt unserem Leben einen Sinn, den wir vorher nicht kannten. Er gibt unserem Dasein eine Berechtigung, die wir zuvor nicht spürten. Wir sind nun auch Jemand, der eine Meinung vertritt, die wir laut nach aussen kreischen können und erleben dadurch eine Selbstwirksamkeit, die das frustrierende Gefühl unserer eigentlichen Ohnmacht unterdrückt. Hass erhebt uns über andere, macht uns groß und lässt uns das zermürbende Gefül unserer eigenen Bedeutungslosigkeit verlieren. Er verbindet uns mit denen, die genauso denken wie wir und übertönt unser Gefühl von Leere und Einsamkeit. Hass macht hässlich wenn wir unseren augenscheinlichen Gegnern, mit verzerrten Gesichtern unsere Wahrheit entgegenspucken. Er gibt uns die Macht problemlos alle Andersdenkenden als dumm zu bezeichnen. Hass nährt sich aus der Quelle unseres übergroßen Egos, der Teil von uns, der bedenkenlos will. Er nimmt uns unsere Beherrschung und unsere Hemmungen, lässt uns nach vorne preschen und angreifen. Hass ist laut, intensiv, fordernd und kraftvoll, ein starker Motivator. Er gibt uns das Gefühl von Größe und Kraft. Hass ist das Gegenteil von Liebe.

Hass ist ein gesellschaftliches Problem, das sich durch unsere Politik verstärkt hat. Er wird gelebt durch Menschen, die einfach denken und einfache Lösungen für ihre Probleme suchen. So unsinnig und gefährlich mir persönlich deren Aufbegehren auch erscheinen mag fühlen sie sich abgehängt, falsch behandelt und unverstanden. Sie suchen jemanden, der die Verantwortung für ihr Dilemma übernimmt, das macht aber niemand und so finden sie Feindbilder. Hass ist auch ein erzieherisches Problem weil unser Wertesystem einzig Leistung belohnt. Wir haben verlernt echte Werte zu vermitteln. Wir haben nicht gelernt einem anderen Anerkennung und Respekt zu zollen, einfach dafür dass er ist. Wir haben nicht gelernt den anderen wegen seiner Selbst zu lieben, sondern dafür dass er unsere Bedingungen erfüllt. Unsere Gesellschaft ist durchtränkt mit Lieblosigkeit und nun werden die Menschen, die das lautstark einfordern täglich mehr.

Frollein Rottenmeier

Frankfurt in Hessen

Die Hinrichtung des Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke schwebt noch über uns wie das Damoklesschwert.

Die Schüsse auf einen jungen Eritreer in Wächtersbach, mit anschließendem Suizid des Täters, der sein Opfer aus fremdenfeindlichen Motiven ausgesucht hatte, sind noch nicht verhallt.

Gestern Morgen stieß ein 40 jähriger, in der Schweiz lebender Eritreer, der selbst Vater von drei Kindern ist, eine Frau und ihren 8 jährigen Sohn auf die Gleise eines einfahrenden Zuges. Die Mutter konnte sich retten, ihr Sohn starb. Die Tat ist der zweite Todesstoß nach Voerde, wo ein 28 jähriger, polizeibekannter in Deutschland lebender Serbe bereits eine 34 jährige Frau und Mutter vor einen Zug stieß.

Es ist unbestritten grausam einen anderen Menschen auf diese oder eine andere Weise, oder überhaupt zu töten. Wir reagieren mit Unverständnis, Traurigkeit, Mitgefühl für die Opfer, mit Wut, Hass und Zorn und das alles zurecht. Es zeigt unsere Fähigkeit Anteil zu nehmen uns zu solidarisieren aber nicht nur das.

Da ploppen sie wieder hoch, die Kommentare derer, die sich einfach nur bedeckt gehalten hatten, vergleichbar mit Schläfern, die warten bis sie Anweisung bekommen, wo und wann sie sich für die vermeintlich gute Sache in die Luft sprengen dürfen. Ich spreche von den fanatischen Tatsacheverdrehern. Die Kommentare derer, die sich eine Weile versteckt hielten, sich vor gesellschaftlicher Ausgrenzung fürchteten weil die Stimmen der Vernunft und der Besonnenheit lauter waren. Die Kommentare derer, die gestern Morgen aus dem Schlaf erwacht sind um ihren ganz eigenen Terror zu verbreiten, so als haben sie nur auf das richtige Unglück gewartet. Seit gestern Morgen weht wieder der Blutrausch durchs Netz.

Ich lese über das treu-doofe Verhalten des derart dummen deutschen Volkes, das sich von dem volksvernichtenden Merkel-Regime in den wohlverdienten Abgrund führen lässt, über blauäugige Gutmenschen, denen die Fähigkeit abhanden gekommen ist, die brutale Gewalt, die hier reinkommt wahrzunehmen. Man möchte mir, die sich allein durch die Fähigkeit zu Toleranz und Offenheit angesprochen fühlt vermitteln, dass ich dumm bin, voller unsinnigem Vertrauen, hörig, labil lenkbar, benutzbar und blind. Wenn ich mich von all den Anschuldigungen frei mache, dann bleibt wieder einzig dieser fahle Beigeschmack, dass hier Opfer benutzt werden um für die eigene Sache Stimmung zu machen. Plötzlich sollen in Schwimmbädern Security-Kräfte eingesetzt werden weil sich „Die feinen Herrschaften“ , die wir so zahlreich willkommen hießen, in unserem Land nicht benehmen können. Ich hatte kürzlich noch einen Artikel gelesen, in dem vom Einsatz von Sicherheitskräften in Schwimmbädern die Rede ist, weil unsere deutsche Jugend sich besoffen vom drei Meter Brett in die heillos überfüllten Menschenmengen fallen lässt. Dazu kommen unzählige Kommentare von Menschen, die unserer/ihrer eigenen Sprache nicht mächtig sind.

Ich bin erschrocken und unschön bewegt, sowohl darüber, dass Menschen aus nie zu verstehenden Gründen, ihr Leben lassen mussten, als auch über meine Mitmenschen, die sich jetzt wieder nach einer Ordnung sehnen, die trennt statt verbindet und manchmal die Rechtstaatlichkeit verlässt und den demokratischen Grundgedanken vergisst. Das Vertrauen ist wieder entschwunden. Der Traum vom Sommermärchen 2006 unendlich weit, als wir alle gemeinsam, egal welche Hautfarbe, egal welche politische oder religiöse Motivation, uns in die Arme fielen um unseren Sieg der Herzen zu feiern und die Erste echte Toleranz aufflackerte…

„Ein Hoch auf uns, auf dieses Leben. Auf den Moment der Ewigkeit.“

Andreas Bourani

Frollein Rottenmeier

Geschichten, die das Leben schreibt

Es ist Samstag früh am morgen. Mein Mann und ich haben einen Schwimmteich für die Hunde geplant. Der Grund ist ausgehoben und die Folie verlegt. Wir befinden uns in Phase zwei unseres Projekts und möchten die Technik installieren. Er hatte wohlwissend, dass er einen 3 Zoll Schlauch nicht ohne technische Hilfsmittel mit einem 1,5 Zoll Anschluss verbinden kann, gestern bei einer Firma einige Überbrückungen bestellt. Die freundliche Firma nahm unsere Bestellungen auf und gab die Ware zum versenden an ein Transportunternehmen. Für einen Transportkostenaufschlag von 18 €, einem Drittel des eigentlichen Warenwertes, sollten wir die Ware per Expressversand am nächsten Morgen erhalten. Wir bekamen eine Trackingnummer, anhand derer wir den Verlauf unseres Paketes verfolgen konnten.

Guter Dinge machten wir uns an die Arbeit, bis unsere Hunde auf eine Unstimmigkeit am Eingangstor reagierten und uns lautstark darauf aufmerksam machten. Ich rannte ums Haus herum nach vorne und sah einen allseits lädierten dunkelblauen VW Kombi mit SB Kennzeichen. Als ich mich auf das Tor zubewegte, setzte er langsam zurück. Ich brachte die Hunde ins Haus, damit sie nicht verloren gehen, öffnete das Tor und winkte den PKW herein. Daraufhin fuhr er langsam in den Hof und blieb stehen. Ich bat ihn das Fenster herunter zu kurbeln, weil das die Kommunikation ungemein vereinfachen kann. Danach sah ich einen etwa 25 jährigen jungen Mann mit lässiger Kleidung. Der Innenraum des Kombis sah vermüllt aus, am Rückspiegel hing ein Würger. Ein Hundehalsband aus metallenen Kettengliedern, die in Metallspitzen enden. Der Hund kann es mit den Spitzen nach innen tragen, was schlecht für den Hund ist oder mit den Spitzen nach außen, was schlecht für die anderen Hunde ist. Ich betrachte den jungen Mann nicht vorurteilsfrei und frage ihn , wie ich ihm weiterhelfen könne. Er lässt mich wissen, dass er die Jugendherberge sucht. Jugendherberge und Reiterhof sind um die Ecke und als ich zu einer Wegbeschreibung ansetze beginnt er das Haus in dem wir leben genauer zu betrachten. Es sei ein schönes Haus, dass er hier noch nie gesehen habe. Ich denke in mich hinein, dass er es schnell wieder vergessen sollte, als mein Mann kommt, ihm den Weg erklärt und wieder nach draußen begleitet. Wir konzentrieren uns erneut auf den Teich und vergessen die Zeit. Um 14 Uhr sind wir uns sicher, dass der Expressservice nicht mehr kommen wird denn er hatte sich zwischen 8 und 12 Uhr angekündigt.

Am Montagmorgen schickt mein Mann mir den Trackingcode, dem ich entnehme, dass unser Paket am Samstag 11,40 Uhr nicht ausgeliefert werden konnte, weil der Empfänger nicht angetroffen wurde. Ich bin überrascht und versuche herauszufinden, wo sich unser Paket befindet. Ich investiere zwei Stunden um nichts über den Verbleib zu erfahren. Die Hotline des Transportunternehmens erklärt mir per Bandaufnahme, dass das Paket keinen Empfänger fand. Ein privater Franchisenehmer des Transportunternehmens in der Nähe lässt mich wissen, dass ich bei ihm völlig falsch sei, die Hotline mich aber auskunftsfreudig und kenntnisreich weiterbringen wird. Meine halbstündigen Klicks auf die Trackingnummer bringen mich nicht weiter, die Aussage: „Paket konnte nicht zugestellt werden!“ bleibt unumstößlich. Ich schreibe dem Transportunternehmen über das angebotene Kontaktformular, dass ich den Verlust unseres Paketes betrauere und sachkundige Hilfe benötige. Gegen Nachmittag bekomme ich tatsächlich eine Antwort auf meine Kontaktaufnahme, mit der Auskunft, dass ich mich an die Firma wenden muss, die die Ware versandt hat. Ich erkenne nun leicht panisch, dass ich meinen Hang zu neurotischem Verhalten längst nicht abgelegt habe und beginne auf meinem Stuhl vor und zurück zu wippen. Ich folge der Empfehlung des Transportunternehmens und rufe die Firma an, bei der wir die Ware bestellt haben. Ich beantworte die Frage der freundlichen Sachbearbeiterin, ob wir denn wirklich alle beide zuhause gewesen seien, wahrheitsgemäß mit ja und frage mich gleichzeitig, warum alle beide? Scheinbar sieht sie mich nicht in der Lage ein Paket in Empfang zu nehmen. Sie informiert mich darüber, dass hier Aussage gegen Aussage stehen könnte. Sie fragt mich, ob denn unser Briefkasten ausreichend gekennzeichnet sei und ich erkläre ihr, dass mein Praxisschild genau darunter hänge. Diese Information reicht ihr nicht, sie gibt zu bedenken, dass wir ein Privatgeschäft getätigt haben und so müsse eben aus der Briefkastenaufschrift erkennbar sein, dass der Auftraggeber hier wohnhaft ist. Ich denke an den unfreundlichen Mitmenschen, der uns jahrelang das Schild mit der Aufschrift Familie Decker vom Briefkasten riss, bis ich es aufgab, ein neues anzubringen. Sie erwähnt, dass das Transportunternehmen im Falle von Expresslieferungen einen Kurier schickt und ich denke an den Fahrer des VW Kombi mit dem Würger am Rückspiegel. Sie sichert mir zu sich mit dem Transportunternehmen zu besprechen und das weitere Vorgehen zu planen. Ich gehe duschen. Während ich dusche ruft sie mich noch zweimal vergeblich an, denn ich kann sie nicht hören. Sie erreicht meinen Mann um ihm mitzuteilen, dass das Transportunternehmen es morgen noch einmal versucht. Es scheint unerheblich, ob morgen irgendjemand Zuhause ist, niemand kann mir sagen wann sie kommen und so sage ich meine ersten beiden Außentermine aus familiären Gründen ab, das klingt einfach glaubwürdiger als auf ein Transportunternehmen zu warten. Eigentlich wollte ich morgen noch den Wocheneinkauf regeln, Hundefutter, Essen für uns u.s.w. aber das verschiebe ich in Gedanken. Ich kann das Hundefutter strecken wenn ich ein paar Kartöffelchen untermische, wird schon.

Dienstagmorgen beschließe ich, mich nicht weiter als Opfer der Willkür eines Transportunternehmens zu fühlen und überlasse nichts mehr dem Zufall. Ich öffne das Tor und laufe strammen Schrittes die 800 Meter bis zu unserem Briefkasten herunter. Links und rechts vom Weg sehe ich die Spuren, die die Wildschweine seit Monaten in die Wiese fräsen, es sieht chaotisch aus. Sollte mir jetzt eins begegnen, versuche ich einfach in die richtige Richtung zu laufen. Unten angekommen beklebe ich den Briefkasten mit der Aufschrift Chris und Marion Decker, um jeden Zweifel unserer Zusammengehörigkeit zu zerstreuen. Ich befestige noch einen Anfahrtsplan für das Transportunternehmen und der Briefkasten ist jetzt so präpariert, dass er wirklich nicht mehr als solcher zu erkennen ist. Wieder oben am Tor angekommen, versäume ich nicht einen Zettel mit der Aufschrift, bitte hupen anzubringen. Ich gehe gelöst ins Haus, wissentlich in der Lage zu sein, mein Leben selbst zu gestalten und siehe da 30 Minuten später hupt jemand und übergibt mir unser Express Paket.

Wir haben noch bei zwei weiteren Firmen Ware bestellt und obwohl mir bewusst ist, dass meine neuen Patienten mich ebenso finden, wie weitere andere Transportunternehmen, neue Postboten und Handwerker, lasse ich die Zettel einfach hängen, für immer.

Frollein Rottenmeier