Respekt

Meinung versus Stimmungsmache.

Meine Wahrnehmung fokussiert sich erschrocken auf die Tatsache, dass ich mich von großmäuligen Besserwissern umgeben fühle, die unsere schöne Sprache einzig dazu zu nutzen wissen, verbal um sich zu schlagen. Wir haben es weit gebracht im Land der Dichter und Denker. Ich erinnere mich daran, wie ich in den 1980 er Jahren mit 20 anderen Punks am Düsseldorfer Hauptbahnhof stand und auf die angekündigten Dortmunder Skinheads wartete, um Glatzen zu klatschen. Wir wurden von höflichen Polizisten aufgefordert den Bahnhof zu verlassen und unserer Wege zu gehen. Daraufhin schimpfte ich auf den Rechts-Staat im Allgemeinen und auf den Altkanzler Kohl im Besonderen und landete für die nächsten 8 Stunden in Polizeigewahrsam, um meine Meinung zu überdenken.

Einige von euch nennen mich heutzutage problemlos linksversiffte Gutmenschschlampe. Andrea Roth darf per Gerichtsbeschluss auf dumme Votze reduziert werden. Dunja Halali ist uns bekannt als Hackfresse, die Lügenpresse verbreitet. Mutti Merkel befindet sich in Neuland, wo sie sich nicht so gut auskennt. Flintenuschi hat keine Ahnung von der Bundeswehr. Die Greta ist eine behinderte vorlaute Göre und die Nahles hat wieder rumgeprollt.

Wir dürfen Höcke jetzt offiziell als Faschisten bezeichnen aber was bringt uns das, der quatscht seinen fremdenfeindlichen, homophoben, geistigen Irrsinn immer noch von deutschen Bühnen und wird beklatscht. Gauland darf den Holocaust ungehindert, als Fliegenschiss in der deutschen Geschichte bezeichnen, erfährt damit eine Aufmerksamkeit, die ihm nicht zusteht und vermiest mir durch seine bloße Anwesenheit, in zahlreichen politischen Talkshows den Abend.

Das waren noch Zeiten als in den 1990 er Jahren eine alte Dame gerichtlich erwirkte, dass das Wort Altweibersommer aus der deutschen Sprache gestrichen wurde, weil sie sich mehr oder weniger verständlich diskriminiert fühlte. Heute darf Jeder, nahezu ungehindert seine Meinung äußern. Wir sind eine Demokratie und hier herrscht Meinungsfreiheit. Das fällt mir nicht schwer einzusehen aber mir gefällt zunehmend der Ton nicht.

Nun wurden soziale Netzwerke per Gesetzerlass dazu aufgefordert, Hass, Häme und Hetze zu erkennen und zu eliminieren. Damit geben wir die Verantwortung einfach in andere Hände und sind fein raus.

Ich ärgere mich in ein Magengeschwür hinein, weil die Werte, die wir einmal vertreten haben mit Füßen getreten werden. Es wird sich damit rausgeredet, dass, die Anonymität im Netz, derer sich viele bedienen, es möglich macht, der Respektlosigkeit freien Lauf zu lassen. 2019 beobachte ich den Höhepunkt der Schimpftiraden, die in diesem Land hauptsächlich Frauen unter der Gürtellinie trifft.

Es werden nach wie vor Hetzpostings gegen Minderheiten weitergereicht und bis zu 50.000x geliked und geteilt. Irgendwelche Trolle aus der rechten Szene sitzen den ganzen Tag vor ihrem Bildschirm und Teilen, was das Zeug hält. Bis auch endlich der dümmste Bundesbürger glaubt, dass er es bei 50.000 Likes und Teilenden, mit der reinen Wahrheit zu tun haben muss und Klick, bekomme auch ich es in meine Timeline gerotzt.

Irgendwelche russischen und amerikanischen Bots sitzen den ganzen Tag vor ihren Bildschirmen und beeinflussen mit ihren Postings maßgeblich die Stimmung und die Wahlergebnisse in unserem Land und ich sehe unsere Demokratie gefährdet und möchte sie schützen.

Ich steigere mich in meinen Ärger hinein wenn ich mich frage, wo die Kommissionen sind die, wenn sie es schon nicht zu verhindern wissen wenigstens aufklären. So wie bei den Rauchern, die dem Staat Millionen an Steuergeldern einbringen. Der Staat versieht Zigarettenschachteln mit grauenhaften Bildchen, die den Raucher zu entwürdigen suchen. Warum nicht unter Hasspostings der Hinweis: „Dies ist antidemokratische Werbung, das Weiterverbreiten kann in unserer Republick schweren Schaden anrichten!“

Ich kann das Gejammer der Leute, die sich beschweren, dass man nicht mehr alles sagen darf was man denkt nicht mehr hören, weil es nicht stimmt. Ich laufe innerlich auf Hochturen, wenn ich lese: „Das wird man doch noch sagen dürfen…“ Na klar darfs du alles sagen was du willst aber dann halte es aus, wenn du ausgegrenzt wirst!

Frollein Rottenmeier

Obdachlos ist keine Berufsbezeichnung

Ganz und gar verrückt finde ich auch die nun kursierende Annahme, Flüchtlinge würden gegenüber unseren Obdachlosen bevorzugt behandelt denn, 1. sind das zwei komplett unterschiedliche Themen und 2. waren den Leuten, die sowas verbreiten „Unsere Obdachlosen“ doch vor der Flüchtlingswelle vollkommen schnurz…

6. Dezember 2017

Ihr seht, ich bin wieder ganz oben „Auf der Palme“! Zur Zeit häufen sich im Netz rasant die Annahmen, dass obdachlose Menschen gar nicht obdachlos seien, sondern Betrüger, die uns das wenige Geld aus der Tasche ziehen wollen. Alles Schauspieler, die nur so tun als seien sie in eine Notlage geraten. Schon vor ein paar Jahren machte hartnäckig die Mär von einem Bettler in Saarlouis die Runde, der sich angeblich einen soliden Nebenverdienst in Millionenhöhe ergaunerte, indem er Geld erbettelte, um am Feierabend in seinen fetten Benz einzusteigen und sein behagliches Heim aufzusuchen.

Tatsächlich erkennen wir unsere obdachlosen Mitmenschen daran, dass sie aus jeder Pore ihres Daseins ausstrahlen, dass es ihnen richtig dreckig geht, an ihrer verkrampften Körperhaltung, dass sie frieren, an dem Teint ihrer Haut, dass sie Mangel ernährt sind und an dem ungepflegten Äußeren, dass sie kein Bad mit fließend Wasser ihr Eigen nennen können. Es sind Menschen, die nicht freiwillig auf der Straße sitzen, den Erwerb aller möglichen Krankheiten in Kauf nehmen, die Gefahr geschlagen, getreten oder ausgeraubt zu werden oder zu erfrieren. Es sind Menschen, die das Gefühl der Wertlosigkeit von morgens bis abends mit sich herum schleppen, denen eben nicht gerade die Sonne aus dem A…scheint. Die meisten von ihnen sind in dieser Situation weil sie einen erlebten Schicksalsschlag nicht überwinden können. Sie sind abgerutscht in ein Elend, aus dem sie aus eigener Kraft nicht mehr rauskommen. Niemand sitzt zu dieser Jahreszeit da draußen und bettelt oder sammelt Pfandflaschen aus Passion oder weil es sich so geil anfühlt unabhängig zu sein. Setz Dich doch einmal zu einem und beginne eine freundliche Unterhaltung. Ich garantiere wenn Du sie oder ihn nicht bevormundest, erzählen sie Dir wie ihnen das passieren konnte.

Obdachlose liegen nicht einmal wie häufig vermutet dem Staat, also uns auf der Tasche, weil sie aus unserem sozialen System schlicht raus fallen denn sie haben keinen festen Wohnsitz, deshalb bekommen sie bei keiner Bank ein Konto. Ohne Bankverbindung kann kein Amt ihnen Geld überweisen. Es ist also keinesfalls dienlich für die Ärmsten der Armen solche Unwahrheiten zu verbreiten wie, „Die Masche mit dem Hund“ oder „Organisierte Bettlerbanden unterwegs“ weil ihr damit unsere freigiebigen, aufgeschlossenen Mitmenschen verunsichert und sie nichts mehr geben. Es ist ebenso wenig hilfreich sie in irgendwelche leerstehende Asylantenheime in Pusemuckel abschieben zu wollen weil sie in der Pampa wiederum keine Einnahmequelle haben.

Ganz und gar verrückt finde ich auch die nun kursierende Annahme, Flüchtlinge würden gegenüber unseren Obdachlosen bevorzugt behandelt denn 1. sind das zwei komplett unterschiedliche Themen und 2. waren den Leuten, die so was verbreiten „Unsere Obdachlosen“ doch vor der Flüchtlingswelle vollkommen schnurz. Wenn ihr Euch dazu entschließen möchtet, nette, freundliche, hilfsbereite, selbständig denkende, erwachsene Menschen zu sein, dann empfehle ich den Kältebus Saarbrücken https://www.facebook.com/kaeltebus.saarbruecken/ Phil Sahner und Joachim Nikolai haben in den Jahren wirklich etwas bewegt und freuen sich auch in diesem Jahr wieder über materielle oder ideelle Spenden. Dort könnt Ihr durch und durch „Echte“ Obdachlose kennen lernen, mit ihnen sprechen, staunen, eine warme Mahlzeit verteilen u.s.w.. Ihr könnt auch anonym helfen denn Nächstenliebe prahlt ja nicht 😉

Ich wünsche, was so selbstverständlich erscheint, eine warme, satte, geborgene und friedvolle Zeit und nicht vergessen:

„Jeder von uns hat einen Ort wo der Schmerz wohnt“! Michael Patrick Kelly

Frollein Rottenmeier