Vollmond

Da liege ich , neben mir der Mann, den ich geheiratet habe. Er hat die Decke zurück geschlagen und liegt auf der Seite, mir zugewandt. Sein Mund ist leicht geöffnet, er atmet leise tief ein und aus. Die helle Haut seines Körpers glänzt geschmeidig im Mondlicht. Er ist schön, wirkt zart, fast zerbrechlich. Ich sehe ihn so wie er ist, so wie sonst niemand ihn sieht. Einer unserer Hunde liegt hinter dem Bett, er atmet sich mühsam in den Schlaf. Der Andere liegt vor dem Bett, lautlos. Sein schwarzes Fell wirkt, als habe ihn jemand dahin gegossen. Unser dritter Hund, der weiße, ist wie immer unten im Hausflur und bellt leise vor sich hin. Ich weiß, dass er träumt und die Erlebnisse des Tages verarbeitet.

Ich reise in meine Welt der Vergangenheit, Gesichter tauchen auf und wieder ab. Ereignisse holen mich ein, die ich nicht erleben wollte, zeigen sich mir noch einmal ganz deutlich. Ich sehe Menschen, die ich lieber nicht getroffen hätte, Ungerechtigkeiten, Verletzungen, fühle mich benutzter als damals, als mir die Erfahrung fehlte.

Ich liege auf dem Rücken und wische mit der Hand über mein Gesicht, so als wolle ich die Dämonen vertreiben. Ich drehe mich nach rechts und sehe wieder den Mann, den ich geheiratet habe, streife mit meinen Augen über seinen Körper und zeichne seine Silhouette nach, er ist vollkommen. In meinem täglichen Leben vergesse ich oft, wie vollkommen er ist.

Wir haben so viel erlebt und erreicht, in den Jahren, die wir gemeinsam durchs Leben ziehen, dass ich es unmöglich aufzählen kann. Er tut alles für mich, keiner meiner Wünsche ist ihm zu groß, so dass er ihn ablehnen würde. Er stellt mich in Frage, wenn es angebracht scheint, ist nachtragend, wenn ich zu streng bin. Große Worte liegen ihm nicht, die Welt da draußen behagt ihm nicht. Seinen Erfolg verdankt er seiner Klugheit, Beharrlichkeit und Besonnenheit. Mein Fels in der Brandung, der, der mich aufrichtet wenn ich am Boden bin. Er zeigt mir seinen stillen Kummer, seinen leisen Ärger, wenn Platzhirsche ihm sein Revier streitig machen, ebenso, wie seine kindliche Freude. Er ist so echt und lebendig, dass ich ihn spüren kann. Ich liege neben ihm und betrachte ihn, atme ihn ein bis ich erfüllt bin und den Mond weiterziehen lassen kann. Ich wünsche mir, dass wir noch viele Vollmonde nebeneinander liegen können und schlafe dankbar ein.

Frollein Rottenmeier

Meine Ode an die Liebe

Die wahre Liebe ist erwachsen geworden, sie hat den dunklen Unrat hinter sich gelassen…

11. Juli 2018

Meine Ode an die Liebe

Die Liebe beschützt, nährt, hegt und pflegt. Sie toleriert ist friedvoll und ruhig. Die Liebe lässt uns strahlen, umgibt uns mit einer Aura aus hellem Licht. Sie wärmt uns, erfüllt uns, so dass wir überfließen. Sie freut sich mit, fühlt mit, macht uns mutig und öffnet uns. Die Liebe gibt uns Reife und Vernunft, lässt uns wie wir sind, lässt uns vertrauen. Sie inspiriert uns, macht uns schön, erstaunlich und wundervoll. Sie ist Hingabe und Demut zugleich. Die Liebe weiß, dass alles was sie gibt zu ihr zurück kommt, ohne dass sie es erwartet. Sie kennt keinen Mangel, weil sie sicher ist, dass es genug für alle gibt. Liebe fließt, ist Energie, Austausch, ein Tanz der Gefühle. Sie hat keine Angst zu kurz zu kommen, zu wenig abzukriegen oder leer auszugehen. Die Liebe kennt Trauer, Verlust und Ohnmacht auch Wut, Zorn und Verzweiflung. Sie kennt Anspruch und Überforderung, Selbstzweifel und ebenso Einsamkeit. Sie kennt das Gefühl nicht zu genügen, das Gefühl schwach, hilflos und klein zu sein. Sie kennt Eifersucht, Lug und Betrug. Sie kennt die kalte Wut, die Missgunst mit sich bringt. Sie kennt das Bedürfnis zu prahlen und sich wichtig zu machen, das Gefühl, zu unterdrücken um die Kontrolle zu behalten. Die wahre Liebe ist erwachsen geworden, sie hat den dunklen Unrat hinter sich gelassen. Sie kennt das alles und gibt uns alles zurück, was wir glaubten verloren zu haben. Die wahre Liebe ist kluge, wohlwollende und loyale Innenschau, das Annehmen des zu sehenden. Sie ist Wahrnehmen und Entdecken, Umarmung, Herzlichkeit, Freude und Traurigkeit. Jeder hat sie verdient und kann sie finden…wir brauchen mehr davon.

Inspiriert durch die derzeitigen traurigen weltweiten Ereignisse und auch durch Karolina, Frank und meinen Mann. ❤️❤️❤️

Frollein Rottenmeier