Halle in Sachsen-Anhalt

Der 27 jährige Neonazi Stephan Balliet erschoss gestern vor einer Synagoge zwei Menschen. Während er auf mehrere Menschen schoss konnte man ihm im Live Stream dabei zusehen und seinen Kommentaren folgen. Er hatte sich das Datum gut überlegt denn gestern war „Jom Kippur“, der Tag der Versöhnung oder das Versöhnungsfest, der höchste jüdische Feiertag. Der gestrige Anschlag grenzt an Perversion, kaltblütig verübt von einem irregeleiteten Einzelgänger, der keine Freundschaften zu pflegen vermochte und sich nach einsamen Allmachtsfantasien spinnend nun auf grausame Weise in Szene gesetzt hat. Zuerst dachte ich, nach Chemnitz nun Halle, dass wir ein echtes Problem in unseren „Neuen Bundesländern“ haben, die, wie sich am 2. Oktober wieder zeigte, doch schon 30 Jahre zu uns gehören. Nach ein wenig Recherche stelle ich erschüttert fest, dass wir ein gesamtdeutsches Problem haben.

In ganz Deutschland entwickelt sich wachsender Antisemitismus.

Erst am 2. Juni 2019 wurde der Regierungspräsident Walter Lübcke vor seinem Haus in Kassel hingerichtet. Der Tatverdächtige Stephan E. war seit den 90er Jahren durch rechtsextreme Straftaten auffällig. Es ist anzunehmen, dass Walter Lübcke erschossen wurde weil er sich für die Unterbringung von Flüchtlingen einsetzte.

2016 wurden bundesweit 995 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte registriert.

Die Gruppe „Freital“, zunächst als Bürgerwehr gegründet, verübte im Jahr 2015 Sprengstoffanschläge auf Flüchtlinge und ihre Unterstützer. 2018 wurden 8 ihrer Mitglieder schuldig gesprochen, wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung.

Die skurrile Geschichte, des Bundeswehrsoldaten Franco A., der sich als Kriegsflüchtling verkleidet registrieren ließ und Asyl beantragte. Ziel seines durchgeknallten Planes war es rechtsextremistische Anschläge zu verüben, darunter auch auf Heiko Maas und sie syrischen Flüchtlingen anzuhängen. Er wurde 2017 festgenommen.

Die Mordserie der Terrororganisation „Nationalsozialistischer Untergrund“ NSU. Die Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos verübten zwischen 2000 und 2007 Sprengstoffanschläge und erschossen 9 Migranten und 1 Polizistin und blieben 13 Jahre unerkannt. Nach einem missunglückten Banküberfall 2011 nahmen sich beide das Leben und entzogen sich ihrer Verantwortung. Beate Zschäpe wurde 2018 als Mitwisserin und Mitplanerin zu lebenslanger Haft verurteilt.

Brandanschläge und Überfälle durch rechtsextreme Gewalt erreichten Anfang der 90er Jahre ihren traurigen Höhepunkt. Bei den Ausschreitungen wurden immer wieder Asylbewerber und Ausländer verletzt, wie bei dem Progrom „Rostock-Lichtenhagen“ 1992.

In Mölln starben 1992, 2 zehn und 14 jährige Mädchen und deren Großmutter weil Neonazis Brandsätze auf das Haus geworfen hatten. In Solingen starben 1993 auf die gleiche Art fünf Frauen und Mädchen mit türkischer Migrationsgeschichte.

Erinnert sich eigentlich noch jemand an Amadeu António Kiowa aus Angola? Er wurde 1990 von mehreren Neonazis durch die Straßen gejagt, brutal zusammengeschlagen und sie sprangen mit ihren Springerstiefeln auf seinen Kopf obwohl er sich schon längst nicht mehr rührte.

Ein Asylgesuch ist die humanitäre Verpflichtung einer Gesellschaft darauf einzugehen. Als Flüchtlinge anzuerkennen sind laut Art. 1 der Genver UN Flüchtlingskonventionen von 1951, Menschen, die sich außerhalb ihres Heimatlandes befinden und berechtigte Furcht haben müssen, wegen ihrer Religion, Nationalität, politischen Gesinnung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, in ihrem Heimatland verfolgt zu werden.

Krieg, Ohnmacht, Verfolgung, Todesangst, Verlust, Vertreibung, Armut Vergewaltigung, Mord, Horror

Waffenexporte. Trotz des von der Bundesregierung, gegen Saudi Arabien verhängten Exportstopps von Waffen, wurden in 2018 Waffenexporte im Wert von 416 Mio. € genehmigt. Auch für Algerien und Pakistan wurden von der Bundesregierung 2018 Waffenexporte im dreistelligen Millionenbereich genehmigt, dadurch geraten Demokratiebewegungen besorgniserregend unter Druck. Die Hälfte aller US-Waffenexporte landet im nahen Osten, dicht gefolgt von Frankreich, Russland und China. Donald Trump verabschiedet sich nun in aller Seelenruhe aus dem am Boden liegenden ausgebluteten Syrien und überlässt problemlos Erdogan das Feld, der in den Kampf gegen seine verhassten Feinde, die Kurden zieht.

Ich fühle mich hilflos, machtlos und ohnmächtig in Anbetracht der Vielzahl der Ungerechtigkeiten und weltweiten Zusammenhänge. Wir unterstützen die Machthaber dieser Welt um gegen Minderheiten vorzugehen. Wir profitieren wirtschaftlich von unserer Rüstungsindustrie, dadurch werden Menschen vertrieben. Diese Menschen suchen bei uns Schutz aber wir können sie nicht schützen denn einige von ihnen werden durch irregeleitete Terrorisierer deutscher Herkunft bedroht und getötet. Ich verstehe das einfach nicht. Ich bin angewiedert von den perfiden Ideen, von rechtem Gedankengut. Hier sehnen sich Menschen ernsthaft nach einer Diktatur, wie wir sie hatten, ignorieren unsere geschichtliche und gesellschaftliche Verantwortung, setzen sich knallhart über unsere Gesetze hinweg und die Hälfte der europäischen Machthaber leben es ihnen vor weil sie sich nach einer Oligarchie sehnen. Wir haben wirklich Probleme und mir ist schlecht.

Frollein Rottenmeier

Woher kommt dieser ganze Hass?

Hass ist das scharfe, anhaltende Gefühl der Antipathie, es entsteht aus dem tiefen Gefühl erlittener Verletzungen.

Hass ist ein tief sitzendes Gefühl, das uns erlaubt destruktiv zu sein. Es lässt uns glauben, dass wir im recht sind. Es verhindert unsere soziale Fähigkeit uns selbst in Frage zu stellen und nimmt uns unser Mitgefühl. Hass lässt uns innerlich glühen und erweckt in uns ein Gefühl der Lebendigkeit, er gibt unserem Leben einen Sinn, den wir vorher nicht kannten. Er gibt unserem Dasein eine Berechtigung, die wir zuvor nicht spürten. Wir sind nun auch Jemand, der eine Meinung vertritt, die wir laut nach aussen kreischen können und erleben dadurch eine Selbstwirksamkeit, die das frustrierende Gefühl unserer eigentlichen Ohnmacht unterdrückt. Hass erhebt uns über andere, macht uns groß und lässt uns das zermürbende Gefül unserer eigenen Bedeutungslosigkeit verlieren. Er verbindet uns mit denen, die genauso denken wie wir und übertönt unser Gefühl von Leere und Einsamkeit. Hass macht hässlich wenn wir unseren augenscheinlichen Gegnern, mit verzerrten Gesichtern unsere Wahrheit entgegenspucken. Er gibt uns die Macht problemlos alle Andersdenkenden als dumm zu bezeichnen. Hass nährt sich aus der Quelle unseres übergroßen Egos, der Teil von uns, der bedenkenlos will. Er nimmt uns unsere Beherrschung und unsere Hemmungen, lässt uns nach vorne preschen und angreifen. Hass ist laut, intensiv, fordernd und kraftvoll, ein starker Motivator. Er gibt uns das Gefühl von Größe und Kraft. Hass ist das Gegenteil von Liebe.

Hass ist ein gesellschaftliches Problem, das sich durch unsere Politik verstärkt hat. Er wird gelebt durch Menschen, die einfach denken und einfache Lösungen für ihre Probleme suchen. So unsinnig und gefährlich mir persönlich deren Aufbegehren auch erscheinen mag fühlen sie sich abgehängt, falsch behandelt und unverstanden. Sie suchen jemanden, der die Verantwortung für ihr Dilemma übernimmt, das macht aber niemand und so finden sie Feindbilder. Hass ist auch ein erzieherisches Problem weil unser Wertesystem einzig Leistung belohnt. Wir haben verlernt echte Werte zu vermitteln. Wir haben nicht gelernt einem anderen Anerkennung und Respekt zu zollen, einfach dafür dass er ist. Wir haben nicht gelernt den anderen wegen seiner Selbst zu lieben, sondern dafür dass er unsere Bedingungen erfüllt. Unsere Gesellschaft ist durchtränkt mit Lieblosigkeit und nun werden die Menschen, die das lautstark einfordern täglich mehr.

Frollein Rottenmeier

Frankfurt in Hessen

Die Hinrichtung des Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke schwebt noch über uns wie das Damoklesschwert.

Die Schüsse auf einen jungen Eritreer in Wächtersbach, mit anschließendem Suizid des Täters, der sein Opfer aus fremdenfeindlichen Motiven ausgesucht hatte, sind noch nicht verhallt.

Gestern Morgen stieß ein 40 jähriger, in der Schweiz lebender Eritreer, der selbst Vater von drei Kindern ist, eine Frau und ihren 8 jährigen Sohn auf die Gleise eines einfahrenden Zuges. Die Mutter konnte sich retten, ihr Sohn starb. Die Tat ist der zweite Todesstoß nach Voerde, wo ein 28 jähriger, polizeibekannter in Deutschland lebender Serbe bereits eine 34 jährige Frau und Mutter vor einen Zug stieß.

Es ist unbestritten grausam einen anderen Menschen auf diese oder eine andere Weise, oder überhaupt zu töten. Wir reagieren mit Unverständnis, Traurigkeit, Mitgefühl für die Opfer, mit Wut, Hass und Zorn und das alles zurecht. Es zeigt unsere Fähigkeit Anteil zu nehmen uns zu solidarisieren aber nicht nur das.

Da ploppen sie wieder hoch, die Kommentare derer, die sich einfach nur bedeckt gehalten hatten, vergleichbar mit Schläfern, die warten bis sie Anweisung bekommen, wo und wann sie sich für die vermeintlich gute Sache in die Luft sprengen dürfen. Ich spreche von den fanatischen Tatsacheverdrehern. Die Kommentare derer, die sich eine Weile versteckt hielten, sich vor gesellschaftlicher Ausgrenzung fürchteten weil die Stimmen der Vernunft und der Besonnenheit lauter waren. Die Kommentare derer, die gestern Morgen aus dem Schlaf erwacht sind um ihren ganz eigenen Terror zu verbreiten, so als haben sie nur auf das richtige Unglück gewartet. Seit gestern Morgen weht wieder der Blutrausch durchs Netz.

Ich lese über das treu-doofe Verhalten des derart dummen deutschen Volkes, das sich von dem volksvernichtenden Merkel-Regime in den wohlverdienten Abgrund führen lässt, über blauäugige Gutmenschen, denen die Fähigkeit abhanden gekommen ist, die brutale Gewalt, die hier reinkommt wahrzunehmen. Man möchte mir, die sich allein durch die Fähigkeit zu Toleranz und Offenheit angesprochen fühlt vermitteln, dass ich dumm bin, voller unsinnigem Vertrauen, hörig, labil lenkbar, benutzbar und blind. Wenn ich mich von all den Anschuldigungen frei mache, dann bleibt wieder einzig dieser fahle Beigeschmack, dass hier Opfer benutzt werden um für die eigene Sache Stimmung zu machen. Plötzlich sollen in Schwimmbädern Security-Kräfte eingesetzt werden weil sich „Die feinen Herrschaften“ , die wir so zahlreich willkommen hießen, in unserem Land nicht benehmen können. Ich hatte kürzlich noch einen Artikel gelesen, in dem vom Einsatz von Sicherheitskräften in Schwimmbädern die Rede ist, weil unsere deutsche Jugend sich besoffen vom drei Meter Brett in die heillos überfüllten Menschenmengen fallen lässt. Dazu kommen unzählige Kommentare von Menschen, die unserer/ihrer eigenen Sprache nicht mächtig sind.

Ich bin erschrocken und unschön bewegt, sowohl darüber, dass Menschen aus nie zu verstehenden Gründen, ihr Leben lassen mussten, als auch über meine Mitmenschen, die sich jetzt wieder nach einer Ordnung sehnen, die trennt statt verbindet und manchmal die Rechtstaatlichkeit verlässt und den demokratischen Grundgedanken vergisst. Das Vertrauen ist wieder entschwunden. Der Traum vom Sommermärchen 2006 unendlich weit, als wir alle gemeinsam, egal welche Hautfarbe, egal welche politische oder religiöse Motivation, uns in die Arme fielen um unseren Sieg der Herzen zu feiern und die Erste echte Toleranz aufflackerte…

„Ein Hoch auf uns, auf dieses Leben. Auf den Moment der Ewigkeit.“

Andreas Bourani

Frollein Rottenmeier

Gedanken zur Europawahl

24.05.2019

Das deutsche Grundgesetz wurde gestern 70 Jahre alt, seine Entstehung verdanken wir unter anderem unseren Alliierten Frankreich, England und den vereinigten Staaten von Amerika. Sie hatten uns durch das Zurückdrängen der deutschen Truppen aus unserer Diktatur befreit und mit ihrem Einmarsch und ihren Rosinenbombern unsere Grundversorgung gesichert.

Die Notwendigkeit einer neuen Verfassung, erklärte sich aus unserer Kapitulation, die daraus resultierte, dass wir einem charismatischen, narzisstischen, machtbesessenen, psychisch kranken Mann hörig waren. Wir schenkten ihm unser Vertrauen und überließen ihm die Kontrolle darüber, uns in eine bessere Welt zu führen.

Die nach kriegsende nötig gewordene neue Verfassung beinhaltet einen wichtigen Grundsatz, auch „Präambel“ genannt:

Im Bewusstsein vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, ein gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt, dieses Grundgesetz gegeben.

Hier zeigt sich für mich, als unserer Sprache mächtige, in den Worten „Dem Frieden der Welt zu dienen“ die ganze Tragweite unserer nationalsozialistischen Vergangenheit, in der wir Krieg, Mord und Totschlag in die Welt brachten. In diesen wenigen und doch so wichtigen Worten erkenne ich die Größe und die Schwere unserer heutigen Verantwortung.

Darüberhinaus regelt unser Grundgesetz seit 1949, mit einem neuen politischen System der Gewaltenteilung, die Kompetenzen der Bundesorgane und setzt Grenzen, die ein Überschreiten und eine Machtübernahme durch einen einzelnen, verhindern soll.

Am kommenden Sonntag haben wir die Möglichkeit, ein Europaparlament zu wählen und darauf Einfluss zu nehmen, welche unserer Volksparteien, das größte Mitspracherecht bei europäischen Entscheidungen erhalten.

Bei der Europawahl 2014 erhielt die SPD starke Zugewinne. Die erst 2013 gegründete europaskeptische AFD erreichte auf Anhieb 7%. Die FDP musste große Verluste hinnehmen. Insgesamt zogen 14 deutsche Parteien ins Europaparlament ein.

Warum wir ein Mitspracherecht im Europaparlament haben sollten.

Mit der freundlichen Unterstützung diverser TV-Formate wie, Maybritt Illner, Markus Lanz, den Tagesthemen und dem Auslandsjournal starte ich meine abendlichen Exkurse in die Welt hinaus. Die Stimmung, die ich dort wahrnehme stimmt mich düster.

38% meiner Mitmenschen kennen unsere Kandidaten, dabei hat die SPD den höchsten Bekanntheitsgrad, dicht gefolgt von der AFD. Am wenigsten bekannt ist der CSU/CDU Vertreter.

In Europa weht ein eisiger Wind, der zunehmend lauter wird. AFD Chef Meuthen liebäugelt mit der erzkonservativen Brexit Partei von Nigel Farage und sieht eine Basis für eine gute Zusammenarbeit. Meuthen als Spitzenkandidat der AFD hatte am vergangenen Wochenende in Mailand mit dem Chef der italienischen Lega, Matteo Salvini und anderen rechtsnationalen Kräften zur Bildung einer Fraktion mit dem Namen „Bündnis Europäische Allianz der Völker und Nationen“ angeregt. Mit im Bunde finden wir auch die französische Partei „Rassemblement National“ von Marine Le Pen und Österreichs FPÖ. Das Wahlprogramm der AFD sinniert über die Idee des „Dexit“, dem Austritt Deutschlands aus der EU wenn sich die Union nicht nach den Vorstellungen der Rechtspopulisten verändern will.

„Völker hört die Signale“

Wir hatten das Alles schon einmal. Auch Hitler ging notgedrungene Bündnisse ein, so machte Italiens Benito Mussolini Faschismus salonfähig. Kroatiens Ante Pavelic suchte die Endlösung der Serbenfrage. Der japanische Kaiser Hirohito intervenierte mit Hitler gegen Stalin. Der spanische Diktator Francisco Franco erkämpfte seinen Machterhalt. Der ungarische Diktator Miklos Horthy war mitverantwortlich für die Ermordung 600.000 ungarischer Juden und jerusalems Chef Mohammed-al-Husseini sah die Gelegenheit gegen die dort lebenden Juden vorzugehen.

Die Eu sieht keine groß angelegten Manipulationskampagnen aus Russland und Drittstaten. Erwartungen einer „massiven“ koordinierten Beeinflussungskampagne, sowie gezielte Hacker-und Enthüllungsopperationen scheinen sich nicht erfüllt zu haben, erklärte die EU Arbeitsgruppe „Strategische Kommunikation Ost“.

„Das beobachtete Niveau der Desinformation und der manipulativen Online-Aktivität sei normal geblieben“

Ich gebe mutig folgende Suchbegriffe in mein Browserfenster ein, „Fakenews zur Europawahl“ und bekomme sofort viele Artikel angezeigt. Mein Augenmerk richtet sich auf eine Überschrift des Spiegel Online Magazins und lautet: „Eine echte Bedrohung für die Demokratie“. Es folgen die Schlagworte Fakenews, rechte Propaganda, Einmischung aus dem Ausland – vor der Europawahl haben Desinformationskampagnen Hochkonjunktur in den sozialen Medien.

So war es im Zuge des US Wahlkampfs 2016 zu einer massiven Propagandaoffensive in den sozialen Medien gekommen. Als verantwortliche fand man eine Trollfabrik in St.-Petersburg. Diese sogenannten Trollfabriken, die einen enormen Einfluss auf unsere Meinungsbildung nehmen sind so aufgebaut:

  • Sie bestehen aus Fakeprofilen hinter denen keine echten Menschen stehen.
  • Es werden Posts veröffentlicht, die schlicht unwahr sind.
  • Es werden Posts verbreitet, die wichtiger oder beliebter erscheinen als sie es in Wirklichkeit sind.
  • Netzwerke aus Menschen und Bots gehen organisiert vor und senden einen steten Strom aus Informationen zu einem bestimmten Thema.

Es gibt Bots, die in mehreren Sprachen twittern. Es werden Memes, Botschaften, Verschwörungstheorien über Grenzen hinweg geteilt und gepusht. Ich erinnere mich an all die Postings, die uns suggerieren wollten, dass alle Flüchtlinge Sozialschmarotzer sind, die sich mit ihrer Vielweiberei und ihren vielen Kindern, in ihren Einfamilienhäusern mit Garten auf Staatskosten amüsieren. Derlei Postings machten unentwegt die Runde weil sie nicht nur von den nicht real existierenden Bots geteilt wurden, sondern auch von meinen nichtsahnenden Mitmenschen, die diesen Postings einfach glauben schenkten. So erklärt sich auch meine frühere Verwunderung, dass ein solches Post, aus dem die Unwahrheit nur so sickerte weit über 90.000 Likes bekommen konnte. Ebenso erinnere ich mich an einen saarländischen Gastronom, der AFD Wählern Lokalverbot erteilte. Er sah sich danach sehr vielen Fake Profilen gegenüber, die sein Restaurant zu Unrecht aufs Übelste kritisierten und ihn persönlich diffarmierten. Die Zahl meiner freundlichen informierten Mitmenschen, die sich um Aufklärung bemühen und mit den ahnungslosen Fake News teilenden auf Diskurs gehen ist groß. Leider ist die rechte Masse größer, besser organisiert, finanziell stärker und skrupelloser.

Am 26.05.19 kannst Du die richtige Wahl treffen. Lass Europa nicht auseinander brechen!

Frollein Rottenmeier

Chemnitz

Ich spüre, dass ein riesiger Riss durch unser Land geht. Wir sind entzweit, geteilt in links und rechts, in Osten und Westen, reich und arm, laut und leise, Gutmenschen und Wutbürger, ewig Gestrige und besorgte Bürger, Asylanten und deutsche…

29. August 2018

Die Vorfälle in Chemnitz und die daraus resultierenden Ereignisse haben mich zutiefst nachdenklich gestimmt, nicht weil es so verwunderlich ist, dass damit nicht zu rechnen war, sondern weil meine gewonnenen Erkenntnisse mich das fürchten lehren. Sehr kurz zusammenfassend haben am 25. August ein 23 jähriger Syrer und ein 22 jähriger Iraner in Chemnitz während einem Stadtfest, 25x auf einen 35 jährigen deutschen Mann eingestochen, der daraufhin verstarb. Darauf folgte eine Hetzjagd, in der ein Mob von Menschen mit nazistischem Hintergrund Jagd auf Menschen mit Migrationshintergrund machten. Am darauf folgenden Abend findet eine Demonstration statt, in der ca. 2000 dieser Menschen mit eben diesen nazistischen Überzeugungen unangemeldet aufmarschieren.

Um ihrem Unmut über den Tod des getöteten Luft zu machen halten sie ein Plakat in die Luft, auf dem man 12 Gesichter von z.T. schwerst misshandelten Frauen sehen kann, mit der Aufschrift „Wir sind bunt bis das Blut spritzt“! Man möchte mir als sogenanntem Gutmensch aufdringlich suggerieren, dass solange ich mich bunt statt braun fühle, früher oder später auch mein Blut spritzen wird. Das die 12 abgebildeten Frauen in England und Amerika leben und größtenteils von ihren eigenen Männern so zugerichtet wurden, hier nur am Rande. Das Plakat war zügig vorhanden und der Mob gut organisiert, das Netz macht es möglich. Einen Tag später kommt es zu einer Gegendemonstration von Menschen, die sich den Menschen, die erkennbar rechtes Gedankengut propagieren entgegen stellen. Die Presse bezeichnet die Gegendemonstranten als „Linke“, das passt halt einfach auch so schön ins Bild weil der Mob ja rechts steht, so herrscht Ordnung denn das mögen wir und unser Wertesystem.

Als ich erstmals von Chemnitz hörte und die Betroffenheit meiner nachdenklichen Mitmenschen spürte, suchte ich nach Informationen und recherchierte um zu verstehen, was sich als schwierig erwies. Bis heute ist die Berichterstattung gewohnt einseitig und mein Vertrauen in Nachrichtendienste nachhaltig gebrochen. Ich spüre, dass ein riesiger Riss durch unser Land geht. Wir sind entzweit, geteilt in links und rechts, in Osten und Westen, reich und arm, laut und leise, Gutmenschen und Wutbürger, ewig Gestrige und besorgte Bürger, Asylanten und deutsche. Die Stimmung im Netz kocht hoch, wir beginnen uns gegenseitig zu denunzieren, wir entfreunden die Unverstandenen oder sie uns. Der Ton ist zunehmend gereizt, die Stimmung aggressiv, wir vergessen unsere guten Manieren und schlagen verbal um uns. Die Ereignisse in Chemnitz sind so hoch gepoppt, dass es uns kalt erwischt hat, ein verhasster Teil unserer Gesellschafft grenzt sich problem- und bedenkenlos aus und zeigt uns ganz öffentlich die Fratze des Hasses, der Wut und latenten Unzufriedenheit und manch einer wundert sich. So verwunderlich ist es allerdings nicht, dieser ostdeutsche Nazimob, das sind tatsächlich die Abgehängten, die Vergessenen, die denen wir vieles versprochen haben, Aufschwung, Arbeit, Geld. Tatsächlich hatten sie vor uns alles, in ihrer sozialistischen Planwirtschaft ihre Arbeit, ihr Einkommen, ihren freien Wohnraum.

Ich bitte an dieser Stelle inständig nicht falsch verstanden zu werden. Ich möchte die Denkweise dieser rechten Gesinnung nicht schön reden oder rechtfertigen, ihr Verhalten widert mich an. Ich möchte einfach darauf aufmerksam machen warum sie so empfänglich sind für Gruppenbildung, Gewaltbereitschaft und die AFD. Ich möchte aufzeigen dass wir im ganzen Land große Probleme haben mit Menschen, die sich abgehängt und an den Rand gedrängt fühlen auch mit Menschen aus der intelektuellen Mitte, die auf diesen Zug aufspringen, obwohl sie gar keinen Anlass für Veränderung sehen weil es ihnen eigentlich gut geht. Und nicht zuletzt „Hinz und Kunz“, die ohne jeglichen eigenen Gedanken als 75 tausendster irgendwelche an den Haaren herbeigezogenen Posts weiter verbreiten. Ich sehe wie seit Sonntag eine Gruppendynamik entsteht, die wie ein Waldbrand um sich greift. Wenn wir jetzt bürgerkriegsähnliche Zustände erleben ist das hier nicht mehr das Land in dem ich gut und gerne lebe und wo soll ich dann hin? Meine große schöne Freundin mit dem wohlklingenden Namen Vernunft ist nicht greifbar. Lasst uns aufhören Probleme zu ignorieren, Probleme einzelner zu belächeln, lasst uns mehr und respektvoll miteinander reden, uns gegenseitig zuhören, füreinander dasein, zusammenhalten, eine erwachsene, reife Demokratie leben. Lassen wir uns nicht vor einen Karren spannen und instrumentalisieren.

Eine friedvolle Zeit wünsche ich Euch

Frollein Rottenmeier ❤️

Wutbürger

Es wird sich darüber entrüstet, dass Özil und Kedira die „Nationalhymne“ nicht mitgesungen haben, als sei die „Nationalmannschaft“ ein Herrengesangsverein. Ich kann auf den Song von 1922 auch gut verzichten, allein das Wort Vaterland entspricht weder meinem Weltbild, noch meinem Zeitgeist…

15. November 2017 Es scheint salonfähig geworden zu sein, sich als Wutbürger zu äußern. Zumeist ältere Herren, die sich möglicherweise fälschlich als Gesellschaftskritiker verstehen, verbreiten diverse posts, in denen laut und wütend über Minderheiten gehetzt wird und/oder der Verlust unserer Sitten und Gebräuche, die der Invasion morgenländischer Einwanderer weichen müssen. Wir werden kontaminiert, unterwandert, still und heimlich aus unserer Heimat vertrieben, wir sind am A…! Die Senilen unter den älteren Herren posten, möglicherweise mangels Zeit ungeprüft Unwahrheiten und möchten sich dessen nicht bewusst werden. Die Debilen können sich gar nicht vorstellen, dass im weltweiten Netz Unwahrheiten verbreitet werden und die Intellektuellen, die Gefallen an ihrem Zynismus finden haben Spaß an der Kontroverse, die Raum für Diskussionen entstehen lässt Es geht um den Verlust unserer Sitten und Gebräuche durch die Umbenennung von z.B. Weihnachtsmarkt in Lichtermarkt aus Rücksicht auf unsere muslimischen Mitmenschen, gefordert von einer Partei der Grünen aus Gründen der „Genderforderung“ (Wortneufindungsbelange). Der informierte Mitbürger mag hier den Versuch starten, dass das Post der Unwahrheit entspricht, dass überhaupt niemand, weder Bündnis 90 die Grünen, noch die Bundeskanzlerin, noch der Kaiser von China diese Forderung gestellt haben aber er schießt ins leere, denn das interessiert niemanden, im Gegenteil der Quatsch wird fleißig weiter geteilt. Es wird sich darüber entrüstet, dass Özil und Kedira die „Nationalhymne“ nicht mitgesungen haben als sei die „Nationalmannschaft“ ein Herrengesangsverein. Ich kann auf den Song von 1922 gut verzichten, allein das Wort „Vaterland“ entspricht weder meinem Weltbild noch meinem Zeitgeist. Ich würde sogar so weit gehen gesanglich, jeder Zeit „Es ist ein Ros entsprungen“ unserer „Nationalhymne“ vorziehen! Hier wird ein Nationalstolz eingefordert, der mich schlicht erschreckt weil hier vollkommen vergessen oder verdrängt und verharmlost wird, dass wir deutschen uns zwischen 1933- bis 1945 eines Völkermordes schuldig gemacht haben, der seinesgleichen suchen würde. Ich darf mich, selbst wenn ich zu dieser Zeit noch nicht anwesend war , in einer Weise mitverantwortlich fühlen weil ich, wenn ich ganz aufrichtig zu mir selbst sein möchte, nicht wissen kann auf welcher Seite ich damals gestanden hätte. Auf der Seite von Evi Braun, an der Seite Hitlers oder auf der Seite von Sophi Scholl, der „Weiße Rose Bewegung“, die mit anderen versuchte das Naziregime zu verhindern. Das Post über die Invasionen afrikanischer Einwandere, die klammheimlich in unser Land geschleust werden, wo von nur die Bundesregierung oder wer auch immer Kenntnis gewonnen haben, zuerst verbreitet durch Ivo Sasek, den Schwezer Laienprediger, der ähnlich eines Sektenführers Anhänger um sich scharrt und allerlei Thesen aber keinerlei Fakten verbreitet. Er gilt als Verschwörungstheoretiker und sehnt sich nach einer Diktatur, dessen führender Kopf er sein möchte, sein post wird derzeit überaus fleißig geteilt, damit sich noch mehr Menschen über etwas ereifern können was gar nicht ist. Hier wird bewusst oder unbewusst eine Stimmung erzeugt und verbreitet, die Angst, Unsicherheit und Wut oder Hass schüren möchte und viele machen mit. Nach dem Motto divide et impera, was nichts anderes heißt als Herrsche und Teile. Es ist das Motto unserer westlichen imperialistischen Welt, wir sollen zu Gegnern werden, die sich untereinander verstreiten, sich trennen, durch Vorurteile den Anderen mit Argwohn betrachten, denn dann sind wir abgelenkt. Der Ausspruch; „Das hab ich nicht gewusst“ hat heute keine Gültigkeit mehr, denn uns stehen mehr denn je alle Informationen zur Verfügung, die wir brauchen um uns ein eigenes Bild zu machen und selbständig zu denken. In diesem Sinne eine nachdenkliche, friedvolle Zeit Euch allen. Frollein Rottenmeier

Fakenews

Ich möchte einfach zu bedenken geben, dass von der Presse problemlos Tatsachen publiziert werden, die eben nicht oder nur zum Teil der Wahrheit entsprechen…

8. November 2017

Tic tac… Eine Schlagzeile von gestern in Saarland Info, auf die sehr emotional reagiert wurde, lautet folgendermaßen: „31 jähriger Syrer soll Frau in den Unterleib getreten haben, obwohl sie schwanger war“. Als wäre es ok gewesen wenn sie nicht schwanger gewesen wäre. Ich möchte das Verhalten des Mannes an dieser Stelle keinesfalls bagatellisieren oder schön reden aber der Artikel strotzt vor Fehlern und das Wort „Soll“ erscheint deutlich zu häufig, zeigt die Verwendung des Wortes „Soll“ doch nichts anderes, als dass noch nichts bewiesen ist. Und dass er in Untersuchungshaft sitzt, „Scheint“ zu beweisen, dass er der Täter ist.

Es freut mich aufrichtig, dass der Artikel die Gemüter überkochen lässt und eine so hitzige Diskussion auslöst, denn mir liegt wirklich sehr daran, dass Frauen, denen Gewalt angetan wird, die Aufmerksamkeit, Hilfe, Solidarität und Unterstützung bekommen, die sie verdienen, es ist mir eine Herzensangelegenheit. Gewalt gegen Frauen ist weltweit eine nicht zu leugnende Tatsache, die allzu oft verdrängt wurde, daher verfolge ich die derzeitigen Diskussionen zum Thema mit dem allergrößten Interesse. Ich erkenne gerade, dass häufig Themen vermischt werden und ich fürchte, wie viele andere aufgeweckte Mitbürger auch, dass manche Berichte ausgeschlachtet werden um uns auf zu hetzen und eine Stimmung zu verbreiten, die uns zutiefst zu verunsichern sucht. Man scheint uns in zwei Lager spalten zu wollen nämlich, in die Einen, die eine freundliche Ausländer Integration wünschen und die, die genau das Gegenteil wünschen, eben Abschiebung und Feindlichkeit.

Versteht mich nicht falsch, mir ist vollkommen klar, dass es Einwanderer gibt, die keinen Respekt vor Frauen haben und in dem Glauben erzogen wurden, Männer seien per se die besseren Menschen und auch, dass sie wie auch immer eines besseren belehrt werden müssen z.B. durch Abschiebung. Es nicht besser wissen schützt vor Strafe nicht. Ich wünsche mir jedoch auch die Tatsache beachtet zu wissen, dass laut einer repräsentativen Studie der WHO von 2004 erkannt wurde, dass 40% der in Deutschland lebenden Frauen, seit ihrem 16. Lj. körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt haben und das sehr häufig durch ihre Lebenspartner. Im Jahr 2004 hat die Einwanderung jedoch noch keine so große Rolle gespielt.

Ich möchte einfach zu bedenken geben, dass von der Presse problemlos Tatsachen publiziert werden, die nicht oder nur zum Teil der Wahrheit entsprechen. Letzteres wäre im oben genannten Artikel zugegeben schlimm genug. Presse ist eben auch freie Marktwirtschaft, es geht um Quote und Absatz. Der Verkauf von Schlagzeilen bringt Geld und Publicity, das lässt sich auch prima mit Unwahrheiten oder Halbwahrheiten erzielen.

In diesem Sinne erst prüfen dann klicken. Ich wünsche einen friedvollen Tag, der reich an Erkenntnissen ist.

Frollein Rottenmeier